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1618

44. Am 7. Sontage nach TrinitatisAuff den 35. Psalm

Martin Opitz

Dieweil ihr schwaches Fleisches seyd, So red' ich menschlich noch zur Zeit. Ihr habt vor diesem, liebste Brüder, Verunehrt euren Geist und Glieder;

Gleich wie ein' unverstopffte Bach Sich selber treibet nach und nach, So ist das eine Sündenquell, Stracks kommen an deß andern Stell'.

Jetzt laßt das Unrecht von euch seyn, Und räumbt euch gutem Wandel ein. Ihr müst euch jenes Lebens schämen, Wann ihr es wolt zu Hertzen nehmen.

Was trug doch eures Lebens Baum, Wie ihr noch gabt den Sünden Raum? Ein herbe Frucht, die ihre Pest Nicht als zum Todte dienen läst.

Nun ihr von Lastern jetzt befreyt Und Gottes Knechte worden seyd, So sollt ihr euer gantzes Leben Der wahren Heiligkeit ergeben,

Im Fall ihr ja vermeyden wolt Den bittern Todt, der Sünden Sold, Und selig leben nach der Zeit Mit Christo in der Ewigkeit.

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