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1618

39. Am 2. Sontage nach TrinitatisAuff den 96. Psalm

Martin Opitz

Ihr dürffet euch gar nicht betrüben Weil wir das Thun der Welt nicht üben, Daß euch die Welt auch hast und krenckt; Das Leben wird uns jetzt geschenckt,

Weil wir die Brüder wollen lieben. Wer nicht will nach dem Bruder fragen, Der pflegt ihn selber zu erschlagen; Nun sieht ein Mörder ewig nicht

Deß andern Lebens schönes Liecht, Darff keine Himmels-Hoffnung tragen. Ließ doch der Herren Herr auch eben Für uns dahin sein eygnes Leben;

So sollen nun ingleichen wir Das unsrig' auch gedultig hier Für unsre liebste Brüder geben. Hat jemand alles Gut der Erden

Und sieht den Bruder in Beschwerden, Kennt, daß ihm Trost von nöthen thu Und schleust doch Hand und Hertze zu, Wie will ihm Gottes Liebe werden?

O Kinder, wann ich euch soll rathen, So haßt der Liebe falschen Schaten, Liebt nicht mit Worten nur allein, Laßt eure Liebe scheinbar seyn,

Durch wahren Mund und rechte Thaten.

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