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1618

20. Am Sontage OculiAuff den 100. Psalm

Martin Opitz

So thut nun was das höchste Gut, Der Vatter, o ihr Kinder, thut, Daß ihr ein solches Leben übt, Wie Christus selbst euch hat geliebt.

Er hat sich freudig dargestellt, Für euch und für die gantze Welt, Hat uns in Gottes Huld gebracht, Zur Gab' und Opffer sich gemacht.

Schaut, daß ja ferren von euch sey Geitz, Ueppigkeit und Hurerey; Die Ehr' und Zucht sey euer Ziel, Wie Heiligen gebüren will.

Kein grober Schertz noch schandbars Wort Soll finden bey euch Statt und Ort; Laßt euer Hertz' ohn argen Schein Dem Höchsten einig danckbar seyn.

Denn der, so Hurenwesen liebt, So götzenknechtisch Wucher übt, Der siht das grosse Gnadenliecht In jenem andern Leben nicht.

Braucht jemand falscher Worte Schein, So räumet ihm den Sinn nicht ein, Denn Gottes Eyffer der entbrennt Ob dem, der seine Macht nicht kennt.

Bedenckt die Irrung vor der Zeit, Die ihr ein Liecht im Herren seyd, Und strauchelt nunmehr weiter nicht, Weil euch noch Weg noch Liecht gebricht.

Deß Gnadengeistes reiche Frucht Ist Güte, Warheit, Recht und Zucht; Diß sollen wir haben in gemein, Im Fall wir wollen Brüder seyn.

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