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1618

2. Der 15. PsalmAuff die Weise deß 24.

Martin Opitz

Wer wird dann je so selig seyn, O Herr, wer kömpt doch bey dir ein, In deinen Zelten stäts zu wohnen? Wem wird auff deinen Berg zu gehn,

Den heil'gen Berg, frey offen stehn? Wer ist, den du so wirst belohnen? Herr, dieser ist es, dessen Geist Sich von der schnöden Erden reißt,

Recht geht und, was gerecht ist, übet, Dem ihm zu handeln außerkiest, Als wie es recht und erbar ist, Und hertzlich sehr die Warheit liebet,

Der seines Nächsten Sinn nicht kränckt Die Lügen, die er ihm erdenckt, Ihn nicht ermordet mit der Zungen, Sagt nicht dem Nachbar Böses nach

Und lässet ihm erdachte Schmach Und falschen Spott unauffgetrungen, Der loses Volck nicht ehrt und liebt, Dem aber sein Gemüthe giebt,

So Gott hoch helt für allen Dingen, Der nimmer ändert seinen Eyd Und solt es ihm schon anderweit Den höchsten Schimpff und Schaden bringen,

Der nicht Finantz und Wucher übt, Nicht den, der ihn Geschäncke giebt, Zu willen falsches Urtheil heget. Wer also redet, also lebt

Und embsig nach dem Guten strebt, Der bleibt auch stäts und unbeweget.

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