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1618

18. Am Sontage InvocavitAuff den 148. Psalm

Martin Opitz

Sinnt nach, ihr Brüder, und bedenckt, Warumb euch Gott die Gnade schenckt. Er spricht: In angenehmer Zeit Hört' ich dich an mit Gütigkeit;

Der Tag deß Heiles war verhanden, So bin ich dir auch beygestanden. Der Tag deß Heiles ist jetzt hier, Die rechte Zeit steht vor der Thür.

Seyd alles Ergernisses frey, Daß unser Ampt ohn Tadel sey; Zeigt mit der That an jederzeit, Daß ihr deß Höchsten Diener seyd.

Erlernet mit Gedult verlachen Angst, Trübsal, Unlust, Kercker, Wachen, Müh, Auffruhr, Schläge, Hungersnoth, Und wo was mehr ist als der Tod.

Seht, daß ihr eine Keuscheit liebt, Erkäntniß eures Gottes übt, Der Liebe, Langmut, Freundligkeit, Im heil'gen Geist' ergeben seyd.

Sagt frey herauß das was ihr wisset, Weil ihr deß Herren Krafft geniesset; Gerechtigkeit sey euer Schildt, Für dem kein feindlichs Waffen gilt.

Es sage gleich der Welt Verstand, Ihr seyd Verführer, unbekandt, Müßt todt, gezüchtigt, traurig seyn, Seyd arm, habt nichts als Noth und Peyn,

So wird euch Gott doch Zeugniß geben, Er kennt euch, läst und schützt das Leben, Macht, daß ihr reich und frölich seyd, Habt alles innen weit und breit.

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