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1621–1681

Sing-Stimme.

Georg Neumark

Als Thyrsis nun war gantz gesonnen zu reysen in sein Vaterland zu seinem Poperoder Bronnen an seinen lieben Unsterstrand

Setzt er sich nieder mit Verdruß An den berühmten Pregelfluß. Man bracht' ihm die Viol-degammen so manchem Hürten wolgefiel

bald stimmt' Er solche rein zusammen Das sanft' und liebe Seitenspiel Demnach nun dieses war gethan Fing er also zu singen an:

Nun ist die Zeit herbey gekommen Daß ich die liebe Vaterstadt Einmal zu sehn mir vorgenommen Die mich der Welt gebohren hat

Und wo mir recht so sind schon hin Neun Jahre daß ich von ihr bin. und das weil Gott in grosser Güte Dem halberstorbnen Vaterland

Aus recht-mitleidendem Gemühte. gebohren seine Gnadenhand Und ihm numehr gesaget zu Die viel gewünschte Friedensruh.

Drüm lebet wol ihr liebste Brüder Lebt wol ihr gute Preussen ihr Wer weiß auch ob ich sehe wieder Dich weit-berühmten Pregel hier

Zu guter Nacht du liebes Vieh Sey wol gesegnet je ünd je. Es bringet mir zwar grosse Schmertzen Das ich so hinterlassen muß

So manche liebe teutsche Hertzen. Was meinst du wol mein Tytirus? Wie? wird dirs nicht zu Sinne gehn Wenn du mich nicht wirst bey dir sehn?

Ich meine ja. Doch sey zu frieden Laß dieß Verhängnüß also gehn Der Himmel der uns nun geschieden Der wird auch lassen dieß geschehn

Daß wir vielleicht in kurtzer Zeit uns wiedersehn in Fröligkeit. Eh aber ich von hinnen reise So höret liebe Brüder zu

Hör zu eh ich aus diesem Kreyse Mein Sylvius du Teutscher Du Was doch amtzo neues sey In der Prussilschen Schäferey.

Du kennst ja jenen ädlen Hürten Den hoch-gerühmten Filidor? Den Föbus selbst mit grünen Myrten Vor andern hat gebracht empor

Der sich beflissen jederzeit Der alten Teutschen Redligkeit. Der nicht das Gifft im Hertzen heget Und gleichwol Zukkerworte redt

Wie leyder itzo mancher pfleget Von dem mans nicht gemeinet hett' Ein solcher Geist ist bey ihm nicht: Der Mund des Hertzes Meinung spricht.

Weßwegen ich ihm so verbunden Daß ich aus unverfälschtem Sinn' Jhm auffzuwarten alle Stunden Auch biß zum Tode willig bin.

So lang' ich seh des Tages Schein Sol Filidor gerühmet seyn. Den schönsten Bokk wil ich verwetten Glaub mir mein Bruder Sylvius

Wenn wir gleich solche Zungen hetten Wie jener grosse Thovilus So weren wir mit allem Recht' Jhn gnug zu preisen doch zu schlecht.

Eskans ja niemand nicht verneinen Daß er des Stammes Ziehrligkeit; Ein ädles Licht der lieben Seinen; Ein Wohnhauß der Vollkommenheit;

Ein Beyspiel wo man sattsam spührt Was einen ädlen Schäfer ziehtt. Als ihn Apollo nur erblikket Hielt'er ihn bald für seinen Sohn:

Es haben ihn so aus geschmükket Die Musen auff dem Helikon Daß ihn die Ehr' auch selber liebt Und beyzustehn ihr Händchen gibt.

Wie reich er sonsten ist von Gaben Die kaum bey Andern eintzeln seyn Noch dennoch muß den Vortrab haben Bey ihm der Demuht schöner Schein.

Des Adels Demuth ist die Pracht Die aus den Menschen Götter macht. Ists nicht also ihr Schäferinnen Jhr werdets theils ja selbst gestehn

Daß ihr ihn mustet lieb gewinnen Wenn ihr den Filidor gesehn Bevoraus wenn er etwan sang Ein Liedchen in der Seiten klang.

Wie muß euch doch wol seyn zu muhte Wenn ihr ihn zierlich tantzen seht: Mir dünkt daß in dem zarten Blute Bey euch ein heimlichs Feur entsteht.

An euren Augen kan mans sehn Wenn ihr es gleich nicht wolt gestehn. Verzeihet mir ihr ädle Hertzen Daß ich euch itzo schamroht mach'

Es ist ja nur mein ernstlichs Schertzen Es ist ja keine schlimme Sach' Jhr schönes Volk ich sag' euch dieß Ich wils nicht mehr thun glaubts

gewiß. Nicht nur in den Prutenschen Wäldern Ist Filidor so hoch beliebt Nicht nur in diesen schönen Feldern

Da es so fette Weide giebt Nicht nur am ädlen Pregelstrand' Ist Filidor so wol bekandt. Dort wo die grosse Seine fliesset

Wird seiner rühmlich nachgedacht: Auch da wo sich der Rhein ergiesset Hats Filidor also gemacht Daß jene Hürten allezeit

Beklagen sein' Abwesenheit. Als er nun seine güldne Jugend Mit ädler übung aus geziehrt Die Sinnen mit beliebter Tugend

Und Wissenschafften angeführt Hat er sich wieder her gewandt Hier in sein werthes Vaterland. Nun hat es sich so zu getragen

Daß er mit seinem Hürtenstab' In nechst verwichnen Sommertagen Sich einsmals in den Wald begab. Da er die Schafe weiden hieß

Und sich im Schatten nieder ließ? Wie? sagt' er sol ich so vertreiben Die jungen Jahr' in Einsamkeit? Sol ich so lange ledig bleiben

Sol ich so leben unbefreyt? Nein nein ich muß mich lenken hin Zu einer schönen Schäferin. Wie aber sol ich solches machen

Bey welchem Ende greiff' ichs an? Denn Freyen sind nicht schlechte Sachen Wer bringt mich hin auf solche Bahn Allwo mein Hertz ein Hertzchen findt

Das mich mit gleicher Liebe bindt? Als er nun saß in den Gedanken Und dachte bald auff diß und daß In einem steten Wechsel-wauken

Legt' er sich endlich in das Graß. Und fiel als er entschlaffen kaum In einen lieb gewünschten Traum Jhm daucht' in seinem sanften Schlafe

Bey seiner honigsüssen Ruh Als wenn durch seine Herde Schafe Kupido auff ihn gienge zu. Kupido jener lose Knecht

Und ihme diese Bottschafft brächt: Hör auff mein Freund dich zu bedänken Mein ädler Filidor halt' inn Dein abgequältes Hertz zukränken

Von wegen einer Schäferinn: Der Himmel den du stets geliebt Dir ein vergnüglichs Mittel gibt. Heut' hab ich über alles hoffen

Mein Filidor nur dir zu gut Ein ausserwehltes Hertz getroffen So schon in keuscher Liebesgluth Wiewol zur Zeit noch heimlich brennt.

Und schweigend sich die Liebste nennt Sie ist die Schönste fast im Lande Bey dieser gantzen Schäferey Sie ist aus hoch gesprossnem Stande

Wer meinest dn wol wer sie sey? Nicht viel man ihres gleichen findt Minerva liebt sie wie ihr Kind. Sie hat der Tugend Brust gesogen

Von ihrer kleinen Kindheit an Die Gottesfurcht hat sie erzogen Gegängelt in der Ehrenbahn Viel schöne Künste sind ihr Ruhm

Die Frömmigkeit ihr eigenthum. Dir hab' ich sie allein erkohren Sie die dir gleich in allem ist In der du dich fast selbst verlohren

In der du dir recht ähnlich bist. Ich mache dich nun duppelt reich Du findest dich und was dir gleich. Und dieser ädlen Schäferinnen

Beliebten Nahmen wirstu sehn Wenn du dich nur wirst recht besinnen Jm fall du nur wirst in dich gehn Bedenke nur die itzge Zeit

So wirstu haben gnug Bescheid. Hierauf Kupido sein Gefieder Hin in die klare Lüffte schwang Und Filidor erwachte wieder

Nach dem er einer Stunden lang Gelegen unter einem Baum' In seinem süssen Liebestraum: In dem nun Filidor gedachte

Was denn hierbey zu handlen wer' Des neu-gehabten Traumes lachte Sieh da so findt sich ungefehr Ein' ädele Zusammenkunfft

Aus der Prutener Schäferzunfft. Sie sagten sämtlich voller Freuden: Kom lieber Bruder Filidor Laß deine Schaf' alleine weiden

Stell ihnen einen Knaben vor Der wachsam bey der Heerde bleib' Und wenn sie fatt nach Hause treib. Wir aber wollen unterdessen

Weil uns der Himmel selber winkt Der Sommerfreude nicht vergessen: Schau Bruder wie die Sonne blinkt Schau wie doch was wir sehen spielt

Und sonst auff nichts als Freude ziehlt. Nur diese Freud' uns sol behagen Die von den schnöden Lüsten weit Worzu uns unsre Sinnen tragen

Sol sein vergönte Fröligkeit Wir wollen in gewünschter Ruh Den gantzen Abend bringen zu. Wir wollen unsre Juliene

Die weitberühmte Schäferin Die ausserwehlte Nymf die Schöne Die rechte Tugendkömgin Nach unsrer Pflicht besuchen gehn

Und sämtlich ihr zu Diensten stehn. Man sagt daß sie von unsren Wäldern Amtzo gar nicht ferne sey Daß sie nun dort in jenen Feldern

Bey der Kirschneinschen Schäferey Jm feisten Klee und dikken Gras' Jhr Wollen Viechen weiden laß. Als Filidor nun hörte nennen

Den Nahmen dieser Schäferin Fing er bald heimlich an zu brennen Und dacht' in seinem Liebessinn': Huy huy ich bilde mir fast ein

Daß die wird meine Liebste seyn. Die Schäfrin heisset Juliene Und Julius die Monatszeit Was gilts sie wird es sein die Schöne

Die mir Kupido angedeut. Dieß wars was er allein gedacht' Und was er heimlich bey sich lacht. Drauf nahmen sie die Hürtenstäbe

Und giengen nach Nikrenschen zu Der Filidor sagt: Wo ich lebe So wil ich heut' in stoltzer Ruh Jm fall ihr mit mir stimmet ein

Aus treuem Hertzen lustig seyn. Als sie nun waren angekommen In Dikastarchens schönes Feld Hat man sie freundlich aufgenommen

Und sonderbare Lust bestellt Ein ieder Schäfer war die Zeit In voller Hertzensfröligkeit. Die Schäfrin wust' ihr Liebesblikken

Mit einer keuschen Heimligkeit Dem Filidoren zu zu schikken Deß er sich denn im Hertzen freut' Jhm' gab sie gnugsam zu verstehn

Daß er nur solte fürder gehn. Hierauf hat er sich kurtz besonnen: Auff Filidor sey nun ein man! Ey frisch gewagt ist halb gewonnen.

Sprich deine Liebste selber an. Weil sie dein ädles Sinnenlicht Die Liebesbahn dir selber bricht. Er offenbahrt' ihr seine Schmertzen

Die neuentstandne Liebespein Die ihn so quählt' in seinem Hertzen Die ihm drang zu der Seelen ein: Er schwur daß er sie hertzlich liebt.

Und sich allein üm sie betrübt. So wil ich euch hergegen schenken Sprach Juliene meine Treu Und eine Seele zu euch lenken

Die täglichen sol werden neu In keuscher Lieb' und rechter Pflicht Die nimmermehr wird wanken nicht. Ein' Anzahl zukkersüsse Küsse

Die machten ihren Liebesbund Doch in geheim fest und gewisse. Was ihr gantz unverfälschter Mund Und die geschlagne Hand gieng ein

Da sprach das Hertz das Amen drein. Doch fragte sie den besten Rahter Und sagt' ihm das Verbündnüß an Dem hertzgeliebten Herren Vater

Was sie mit Filidor gethan. Auch Filidor ging zu ihm hin Und offenbahrt' ihm seinen Sinn. Er als ein HERR von vielem Wissen

Dikastarchus der grosse Mann Ist alsobald darauff beflissen Wie man den Sachen rahten kan Er stellt dem Schäfer Filidor

Sein Kind die Juliene vor. Wie? sprach er habt ihr euch verbunden In reiner Lieb' und keuscher Brunst? So bleibet auch von diesen Stunden

In einer steten Gegengunst; Was Gott und euer Hertze schikkt Das bleibe von mir unverrükkt. Ich halt' euch Filidor nicht minder

Mein glaubt es mir von numehr an Als wie mein' eigne liebste Kinder Und daß weil ihr bleibt auff der Bahn Wo euer weltberühmter Stamm

Den mehr als ädlen Uhrsprung nahm. Drüm wünsch' ich euch zu allen Zeiten Was euch zu eurer Wolfahrr nützt Der Himmel woll' euch stetz begleiten

Der euch vor allem Unfall schützt Lebt wol und glüklich ie und ie Mit eurer schönen Heerde Vieh Als dieß die andern inne worden

Kam solches ihnen seltzam vor Daß so geschwind' aus ihrem Orden Der ädle Schäfer Filidor Mit seiner allerschönsten Braut

Der Julienen anvertraut. Sie rieffen freudig all zusammen Geh grosses Vaters grosser Sohn Geh Filidor und theil die Flammen

Mit deiner ädlen Wälder kron': Jhr ädles Paar ihr endet itzt Worauf Kupido sich gespitzt. Vermehret euer Liebesfeur

Welches in euch beyden angestekkt Der Himmel euer rechter Freyer Damit ein neues werd' erwekkt Und dänkt was ihr Euch und der Zeit

Für grosse Schuldner worden seyd. Ich habe mir auch lassen sagen Daß sie die Hochzeit angestellt Noch vor Verfliessung zweyer Tagen

Bey dieser rauhen Hornungskält' In dieser Stadt die Bergicht prangt Und Königstittel hat erlangt. Schau Sylvius hier ist zu sehen

Daß dieses was der Himmelsschluß Einmal wil haben zu geschehen Unhintertreiblich folgen muß. Viel Freyschafften geschehen offt

Wo mans am wenigsten gehofft. Dieß ists was ich erzählen wollen Euch Brüdern noch vor meiner Reis' Und was ich nicht verschweigen sollen

Auf was für unverhoffte Weis' Herr Filidor befreyet sey In der Nikreinschen Schäferey. Wünscht ihm von Hertzen Glükk und Se-

Rufft ihm und seiner Liebsten zu: (gen Der Himmel laß euch allerwegen Beglükket sein in Fried' und Ruh; Gott geb' euch beyden allezeit

Was euer Leib und Seel' erfreut.

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