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1621–1681

N.A.

Georg Neumark

Zu Ende dieses Lieds ist er nach Hause kommen Und weil es ziemlich späht hat er sich bald entnommen Der lieben Brüderschafft der ädlen Schäferey Hin in sein Kabinet allwo er mancherley

Bey sich gegrillet hat biß er sich endlich nieder Zur sanfften Ruh gelegt damit die matten Glieder Sich wieder labeten ja aber allermeist Sein seufftzenvolles Hertz und abgequälter Geist.

Wen denn getreue Lieb' ist iederzeit belohnet Jm Fall sie Tugendhafft wenn sag’ ich sie bewohnet Ein reines keusches Hertz so nicht ist angestekkt Mit falscher Heucheley noch geuer Lust veste

Wie mancher böse Mensch Der nur aus leichten Sinnen Dänkt Tag und Nacht darauff wie er mögt’ abgewinnen Die köstlich’ Ehrenblum’; Er geht er leufft er rennt; Er plaudert ihr viel vor sich ihren Sclaven nennt;

Er kan mit kaumer Noht die Augen von ihr kehren Wenn über Tisch er sitzt; Er weiß ihr vorzuschweren Bey feiner armen Seel’; Er schreyet weh und ach; Er seufftzet überlaut daß ihm sein Ungemach

Das Hertze brechen wil; Bald nennt er sie sein Lämchen Sein Popchen Augentrost! sein allerliebstes Schwämche Sein allerschönstes Hertz sein’ Ursach aller Lust Und was der Possen mehr so mir noch unbewust

Begehr es auch gar nicht zu fassen in Gedanken. Es schreitet mancher auch wol gar aus seinen Schranken Darein ihn Gott versetzt; Er darff sich unterstehn Fast wie gewissenloß an solchen Ohrt zu gehn

Wo ihm nicht hin gebührt; Er isset lieber Speise Die frisch gekochet ist nach seiner öfftern Weise In seines Nachbarn Hauß als auffgewärmten Kohl Daheim. Es ist auch recht. Denn fremdes Brod

schmekkt wol. Wer wolte doch wol sein ein solcher grosser Gekke (gedänket er bey sich) der nicht viel lieber Wekke Und schöne süsse Milch genösse wenn ers hat

Als sauer Bier und Brod von dem er müd’ und satt. So treibt mans in der Welt so wird die ädle Tugend Fast gar hindan gesetzt so wird die zarte Jugend So liederlich verderbt und jämmerlich verkürtzt

An ihrer Lebenszeit ja auch wol gar gesturtzt In heisses Leid und Angst. Ach was für bittre Schmertzen Fühlt mancher nachmals doch wenn er in seinem Hertzen Die geile Liebeslust; den lebendigen Tod;

Das zukkersüsse Gift; den Ursprung vieler Noht Dem er so nachgestrebt mit brennendem Gemühte Dem er so nachgerennt mit eyfrigem Geblühte Mit später Reu erwegt. Doch man ist Fryger Ahrt.

Nach Schaden wird man klug. Wenn man noch auff der Fahrt In voller Wollust ist so wil man nicht gedänken Wo’s endlich wil hinauß und wo sich hin wil lenken

Die dolle Narrenlieb’. O welch ein Unterscheid Ist zwischen dieser nun als die sich iederzeit Jm tieffen Sündenkoht gleich einem Schweine wühlet Und jener keuschen Brunst so niemals künfftig fühlet

Was Hertz und Seele kränkt; die sag ich nur allein In reiner Lust besteht; die ausser allem Schein’ Und falschem Heucheln ist; die ihren Ursprung nimmet Von einem solchen Feur das nur von Tugend glimmet

Und treuer Redligteit; Die allzeit sich ergetzt Mit dem was Erbar ist; die ihren Fuß gesetzt Auf einen solchen Grund den Gott hat selbst geleget; Auf einen solchen Grund der niemals wird beweget

Von ungezähmter Lust; Kurtz welcher Ehrensinn Alleine nur auff Gott und Keuschheit ziehlet hin. Vermittelst dieser Brunst vermittelst dieser Liebe Die zugelassen ist und ihrem Angetriebe

War unser Schäfer auch Myrtillus sehr betrübt Der ädele Myrtill daher war er verliebt In seine Schäferin die seine liebste Sonne Sein allerliebstes Hertz sein’ einge Freud’ und Wonne

Die schönest’ Eufrosill die sonder Heuchelen Ein rechter Außzug ist aus vielen tausenden. Wenn denn getreue Lieb’ ist iederzeit belohnet Jm fall sie Tugendhafft! wenn sag’ ich sie bewohnet

Ein reines keusches Hertz so nicht ist angestekkt Mit falscher Heucheley und geiler Lust beflekkt (wie oben schon gedacht) als ist Myrtillens Leiden Auch wunderlich verkehrt in hochgewünschte Freuden.

In dem der Götter Gunst durch Amors scharffen Witz Es nun so weit gebracht daß lauter Liebeshitz’ Und keusche Flammen fühlt die Schäfrinn’ Eufrosille! Die vormals lauter Eyß ja derer harter Wille

Zuvor wie Klippenfest war zu erweichen nicht. Es sol seyn so geschehn wie man mich hat bericht: Jn dem Myrtillus nun sein Leid so osst beklagte Sein Leiden welches ihm das Hertz’ im Leibe plagte;

Nach dem er hin und her in seinen Wäldern lieff Mit abgeschwächter Stimm’ üm Hülff’ und Beystand rief Damit die Götter doch nur möchten ein Erbarmen

Empfinden über ihm dem hochbetrübten Armen Damit sein’ Eufrosill der Uhrsprung seiner Pein Einst möchte wiederüm in ihn verliebet seyn; Da hat das öfftre Leid so unser Schäfer führet

Dem Heldengotte Mars das tapfre Hertz gerühret Daß er auch also bald sich auff die Reise macht’ Auff unsern Helikon allwo in schöner Pracht Der Printze Föbus wohnt der ihm entgegen kommen

Mit der geneundten Schaar nach dem nun aufgenomme Der grosse liebe Gast demnach ihm angethan Viel Ehrerbietungen fieng Mars zu reden an. Wje mein Herr Bruder das? Wie sollen wirs verste-

hen Daß unser treuer Freund Myrtillus so muß gehen Fast Hertz- und Lebensloß? Soll er mit Spott und Hohn

So schimpflich soyn belegt? Soll dieses seyn der Lohn Für seinen grossen Fleiß den er uns stets zu eigen Auff unsern Dienst gewand? (Von meinen wil ich schwei- gen.)

Hört nur wie manche Zeit wie manche liebe Nacht Hat Euch zu dienen Er fast schlaffloß hingebracht; Wie offt hat er sein Vieh allhie bey euch geweidet Zytherons Völlerey und dessen Lust gemeidet

Um euch zu Willen nur wenn ihr es recht bedänkt; Wie offt hat er die Heerd’ und auch sich selbst getränk Aus eurem Bronnen hier den Pegasus gegraben Da doch weit herrlicher ihn hätte können laben

Zu Haus’ ein guter Wein; Das wollüstige Feld So dort in Zyprus liegt da fast die gantze Welt Begierig hingedänkt hat er auch lassen bleiben Hat lieber seine Schaf’ auff eure Wiesen treiben

Und lassen weiden da nur daß er sey bereit Mein Bruder euch allein mit freyer Dienstbarkeit. Wie er hernachmals mir mit schönem Waffenführen Und andrer Hurtigkeit so einen Menschen ziehren

So treu gedienet hat kan iederman wol sehn Wenn er sich nur beweist. Ich muß es gern gestehn (mein Föbus glaub es mir) daß ich ihm bin zu willen Womit ich immer kan und das weil zu erfüllen

Was mein Begehren ist ja was er an mir sieht Das mir nur angenehm Er höchlich sich bemüht. Wie geht denn dieß nun zu daß er sich so muß plagen? So irren hin und her? Daß er so schmertzlich klagen

Und sich so kränken muß? wie? ist die Schäferinn In die er so verliebt von solchem stoltzen Sinn’? Er ist ja noch ein Mensch an dem man keinen Tadel Noch Laster finden kan; Er ist von solchem Adel.

Der weit und breit bekant; Die gantze Schäferey Hat ihnja lieb und wehrt. Nun sagt mir wie’s denn sey Daß ihn sein’ Eufrosill so unauffhörlich plaget In dem sie ihre Gunst ihm gantz und gar verlaget

Da ers doch redlich meint. Hierauff fieng Föbus an: Hört mein behertzter Mars so viel ich merken kan So hat die Schäferin an seinen grossen Schmertzen Nicht im geringsten Schuld; Sie hat in ihrem Hertzen

Das keusche Liebesfeur zur Zeit noch nicht gefühlt Sie weis kaum was es ist es hat noch nicht geziehlt Kupido auff sie zu daher sie solte brennen In heisser Liebesgluht daher sie solt’ erkennen

Mit treuer Gegengunst Myrtillus grosse Noht Und bittre Liebesangst so ihm nichts als den Tod Tag-täglich saget zu. Es wird kein Feur erreget Wie trukken auch das Stroh im fall nicht beygeleget

Was Feuer schaffen kan; Die Flammen flattern nicht Wenn ihnen scharffer Wind und freye Lufft gebricht. Wie hat denn sie nun Schuld wenn sie nicht wird entzündet Von Amors seiner Hitz’ und wenn sie nicht empfindet

Kupidens göldnen Pfeil in ihrer zarten Brust’ Der wenn er nicht zuvor mit treuer Lieb’ und Lust Das Hertz eröffnet hat macht daß das heisse Sehnen Des Liebenden ümsonst und dessen herbe Thränen

Bey ihr vergebens sind. Daher man sehen kan Und leichtlich nehmen ab daß niemand Schuld hieran Als Venus nur allein welch’ unversönlich hasset Myrtillen unsern Freund die einen Grimm gefasset

(wie mir gesagt) auff ihn und das weil er veracht Nicht nur alleine sie besondern auch verlacht Jhr hohes Regiment. Daher hat sie dem Sohne Kupiden aufferlegt daß er zu einem Lohne

Myrtillen geben soll was mit Geschwindigkeit Er mir gegeben hat als ich zu jener Zeit Dort in Thessalien mein’ ädle Daffne liebte Da üm die schönste Nimf’ ich damals mich betrübte:

Ja wol! Er schenkte mir daß wenn ich ietzo seh’ An meinen Lorberbaum mir wird im Hertzen weh. (jhr wist ja die Geschicht.) Drüm wird die beste Weise Das beste Mittel seyn daß wir uns auff die Reise

Nach Pafus machen hin im fall es euch gefällt Euch mein Herr Bruder Mars. Zwar nun bey dieser Kält' Und halber Winterlufft geniest man schlechter Freuden

Zu reisen hin und her; Doch jenes schwere Leiden So unsern Schäfer kränkt das zwinget mich darzu Daß ich der ich sein Freund kaum habe Rast noch Ruh Biß ihm geholffen sey Nicht ehe lest sich blikken

Ein treues Freundes Hertz als wenn die Götter schikken Betrübtes Hertzeleid da da lest sich bald sehn Wer treu und redlich ist. Drüm last uns ietzo stehn Bey ihm in seiner Noht. Kommt last uns die Dione

Die dort voll Eyfersucht mit ihrem kleinen Sohne Auf ihn ergrimmet ist nur gütlich sprechen an Und fragen sie, wie? wenn? und was er ihr gethan Das solcher Straffe wehrt? daß er so sehr betrübet

Deßwegen müste seyn? Der Anschlag war beliebet. Sie machten sich bald fort nach jenem Pafus hin Dorthin wo Venus wohnt die Liebes Königin. Als sie nun angelangt sehr früh bey ihrem Zimmer

Wo alles lieblich war wo iederzeit und immer In Wollust alles steht so kömmet gleich daher Der Venus kleiner Sohn und zwar von ungefehr Der freuet sich ob dem daß über alles hoffen

Er solche liebe Gäst’ hat bey ihm angetroffen. Er leuft geschwind’ hinein und sagts der Mutter an Die kaum war aus dem Bett’ auch halb nur angethan: Jhr schön braunschwartzes Haar so ihr weit auff dem

Rükken Gekreuselt hieng hinab das war mit schönen Stükken Und güldnem Flor bedekkt; aus ihrem Augenliecht’ Ein heimlichs Feuer strahlt’; Jhr gantzes Angesicht

War gleich wie Milch und Blut; Sehr künstlich war ge- nehet Jhr Schlaff- und Nachtesrokk er war fast wie beseet Mit Berten und mit Gold; Die zwier-gewelbte Brust

War durch ein klares Schier mit angezündter Lust Gar lieblich anzusehn; Kurtz was man nur aus Sitten Aus schöner Redensahrt aus wolgesetzten Schritten Und andrem Thune mehr an Menschen rühmen kan

War überflüssig hier. Wer sie nur blikket an War gleichsam wie entzükt. So kam sie auffgetreten Und hat die grosse Gäst’ hinein zu ihr gebeten. Da Föbus also bald den Anfang hat gemacht

Zu reden dieß und das biß er ihr vorgebracht Anch endlich diese Red’: Hört wie mag dieses kommen Geliebtes Schwesterchen wie wir ohnlängst vernommen Daß unser lieber Freund Myrtill so leiden muß?

Daß ihm so mancher Schmertz so mancher Uberdruß Von euch wird aufferlegt in dem daß er muß hegen Bey ihm so heisse Glut von Eufrosillen wegen? Da sie doch wird verschohnt? Warüm verschafft ihr

nicht Daß auch Kupidens Pfeil auff ihr Hertz sey gericht Und ritzen solches durch damit sie möge brennen Von keuscher Gegenbrunst? Damit sie mög’ erkennen

Myrtillens Hertzeleid und seine Liebestreu’ Auff daß sag ich sie ihm ein Trost und Labung sey In seiner schweren Angst? Was hat er denn verbrochen Und übels euch gethan daß Er so wird gerochen

Und schmertzlich abgezahlt? Was? Fieng die Mut- ter an: Verbrochen allgenug Wie? übels nicht gethan? Ja mehr als allzu viel. Darff er so trotzig gehen

Und schimpfen meinen Sohn? Darff er sich unterstehen Mein grosses Regiment und meine grosse Macht Zu halten wie vor nichts? Hat ers nicht vorgedacht So dänk’ ers nun hernach. Er mag in seinen Flammen

Ein wenig zappelen. Kan er so bald verdammen So leid’ er auch darauff. Hierauff sprach Mars zu ihr: Es mag wol so nicht seyn ich halte wol dafür Dz liebe Schwester euch wer weiß auf wessen schmeichelin

Dieß nur sey vorgebracht. Denn das verfluchte Heucheln Ist leider nun so groß daß mancher bloß aus Neid Wird offt hinab gestürtzt in bittres Hertzeleid. Nein sagte Venus drauff: Wo selbst die Thaten zeugen

Und an dem Tage sind da ist viel besser schweigen Als groß von Worten seyn. Jhr solt es selbst gestehn Wenn ihr es werdet nur mit euren Augen sehn. Schaut kennt ihr diese Hand? Dieß hat er selbst gedichtet

Zu unserm grossen Schimpf womit er gar vernichtet Nicht mich nur sonder auch Kupiden meinen Sohn. Ich frag’ euch steht uns denn zu leiden solcher Hohn? Ich bitt’ euch lesst es durrch:

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