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1621–1681

N.A.

Georg Neumark

als dieses durchgelesen Ist Föbus und auch Mars zwar was bestürtzt gewesen. Noch dennoch sagte Mars: Es ist ja zwar nicht ohn’ Er hat sich grob versehn; Es ist ein grosser Hohn

So euch erwiesen ist. Er muß auch gnugsam büssen Vor solchen Unbedacht man lessts ihn gnug geniessen. Sein leiden (wie mir dünkk) das übertrifft die Zahl Des euch erwiesnen Spotts wol über hundert mal.

Auch über dieses noch so ist hinweg geflossen Schon lange Zeit da er die Schmehwort’ außgegossen Wie uns das Datum zeigt daß also ich vermein’ Es kan die Missethat ihm wol vergeben seyn.

Hierauff fuhr Föbus fort: Es ist nicht zu verstehen Nach blossem Wörterklang man muß auch recht besehen Wie ers gemeinet hat geliebte Schwester ihr Er ziehlet nicht auf euch in diesem Liede hier

Als auff das Wirkende. Vielleichte wird er meinen Des Werkes Mißbrauch selbst wie solches fast wil scheinen Aus seiner Redensahrt. Und wenns auch gleich so wer’ Als ihr bey euch gedänkt so sol man nicht so sehr

(verzeiht mirs Venusin) ein solches Ding auffrükken. Ein ädler Sinn und Geist lest nicht den Eyfer blikken Dekkt viel mit Sanfftmuht zu. Bey Menschen pflegts zu seyn

Daß man gemeiniglich in Stahl und harten Stein Den zugefügten Schimpf gantz unvergeßlich schneidet: Die Guttaht aber nicht; Die wird noch wol beneidet Und wenn sie ja wo lieb so schreibt man sie ins Eyß

So bald zerschmeltzen kan; So ist der Menschen Weis’ Und nicht der Götter Ahrt. Drüm bitten wir euch beyde Heifft doch Myrtillen ab von seinem schweren Leide Last sanffte Gütigkeit vor strenges Recht ergehn

Last den betrübten doch einst eure Hülffe sehn Die er so lang gewündscht Er wird gewißlich wieder Vor diesen Schimpf und Spott viel hundert schöne Lieder Die eures Lobes voll von euch und eurem Sohn’

Euch singen hie und da in seiner Seiten Thon. Hierauff besann sie sich und schwieg ein wenig stille Hernacher sagte sie: Wolan es sey mein Wille Was beyden euch gefällt. Myrtillen sey geschenkt

Was er verbrochen hat; Das was ihn heute kränkt Soll ihn in kurtzer Zeit ja noch vielleicht’ auff Morgen Entbinden aller Noht und allen Liebes Sorgen Befreyen gantz und gar. Kupido komm mein Kind

Du hast ja nun gehört daß alle Fehler sind Myrtillens außgelescht. Drüm geh und nim den Bogen Und deine Pfeile mit womit du hast betrogen So manches Menschen Hertz schau wo die Schäferin

Die Eufrosille sey brich ihren harten Sinn Und triff das zahrte Hertz so gegen den Myrtillen Wie Eyß erkältet war daß sie ihm sey zu Willen Mit keuscher Gegengunst. Kupido sprach: Sehr gut.

Das ist ein Thun vor mich. Bald sol in Liebesgluht Der Schäfrin kaltes Hertz in vollen Flammen hitzen. Und hierzu sol mir nicht mein Pfeil und Bogen nützen Wie mirs pflegt in gemein. Ein funke Feur sols thun.

Und zwar auff diese Weis’ ich wil auf heute ruhn Früh morgens wil ich mich zum Eolus hin fügen Und bitten fleissig ihn daß er doch lasse fliegen Auff morgen Vormittag den warmen Westenwind

Der mir zu meinem Tuhn am allerbesten dient. Mein Bruder Zynthius der hilffet mir auch mitte Zu meinem Hertzensfang er wird auff meine Bitte Gantz ungewölket stehn mit schönem Sonnen schein’

In Summa es muß mir ein schönes Wetter seyn Damit die Schäferinn die Schäfchen aus zuweiden Lust und Begierde hab’; es müssen mir die Heyden Ohn Schnee und Kälte seyn. Wenn sie denn nun wird

sehn Daß sie der Himmel lokkt daß Wald und Felder stehn In angenehmer Lust so wird sie sich erfreuen Der schönen Herbestzeit So gleich dem jungen Mäyen

Des Menschen Sinn erfrischt. So wird die Schäferinn Die ädel’ Eufrosill mit höchsterfreutem Sinn’ Jhr wollenreiches Vieh hin auff die Weide treiben Da sie mit andern mehr wird wol vergnüget bleiben

Und haben ihre Lust. Hernachmals wird die Lufft Die aus Südwesten kömmt in ihrer warmen Klufft Allmählich seyn versperrt; es wird Nordöstlich sausen Auff Eolus Befehl mit einem kalten Brausen

Dort aus Sarmatien der frische Subsolan. Wenn dieses nun geschicht fang’ ich das Mein? auch an: Ich werffe von mir ab mein fliegendes Gefieder

Ich lege Köcher Pfeu’ und meinen Bogen nieder Zieh’ Hürtenkleider an gürt’ eine Tasch’ üm mich Nehm’ einen Schäferstab so bin ich nicht mehr Ich. Denn mach’ ich mich dorthin und komm’ auff jene Haiden

Gleich wie ein Hürtenknab’ ich schaue wo sie weiden Der Eufrosillen Schaf’. Ich schlage Feuer auff (damit ihrs kürtzlich wist) leg’ alte Pfeile drauf Die ich vor dem gebraucht und noch viel andre Sachen

Die wenn sie brennend sind gar bald verliebet machen Wenn man zu nahe steht; Drauff geh’ ich hin zu ihr Gleich wie ein andrer Hürt und bitte sie zu mir Daß sie sich wärmen soll wenn sie sich denn wird setzen

Zu meinem Liebesfeur und sich bey dem ergetzen Mit ihrer Schwesterschafft wenn sie ihr bildet ein Vor meiner Listigkeit am sichersten zu seyn. Sol ihr ein Fünkchen Feur durch ihre Kehle fliegen

Und setzen sich ins Hertz es soll darinnen liegen Und glimmen mählich fort biß ihr eißkalter Muht Entbrenne liechterloh mit einer heissen Gluht. Denn soll Myrtillus sein gewünschtes Ziel erreichen

Und seine Schäferinn die Eufrosill’ imgleichen Von ihm getröstet seyn. Des Vorschlags ward gelacht Vom Föbus und vom Mars der ietzo vorgebracht Vom kleinen Liebesgott. Sie nahmen ihre Reise

Nach Hause wieder zu. Nach vor erzählter Weise Fing auch sein kluges Tuhn der Venus kleiner Sohn Ins Werk zu stellen an und machte sich davon. So sols ja seyn geschehn wie mir gesaget worden

So soll die Schäferinn in den verliebten Orden Hinein gerabten seyn. Es saget sich zwar viel. Obs aber also sey ob sein gewünschtes Ziehl Myrrillus hab’ erlangt das werdet ihr ja müssen

Hochädler Breutigam am allerbesten wissen. Man sagt es sey nicht weit von eurer Gräntz geschehn. Ach ja es mag wol seyn. Ich habe selbst gesehn Daß der Passargerfluß nicht weit von euch geflossen

Da da wo der Myrtill viel Thränen hat vergossen. Es ist mir auch gesagt was vor ein Abendtheur Da vorgelauffen ist bey jenem Liebesfeur Welchs auffgefechelt hat der kluge Lieberwekker

Kupido jener Schalk der kleine lose Lekker; Auch dieses weiß ich schon was unsre Schäferin Die allerschönste Nymf’ in treu verliebtem Sinn’ An ihren liebsten Schatz Myrtillen hat geschrieben

Und wie sie ihm hernach ihr keusches Gegenlieben Gegeben an den Tag; Auff was für Weis’ und Ahrt Er sein beständigs Hertz ihr wieder offenbahrt; Und endlich wie er sie nach Hause hat geführet

In seine Schäferey die er wol außgeziehret Mit schönem Bilderwerk. Dieß weiß ich alles wol Wolt’ auch von Hertzen gern wie ich denn billich sol Erzählen die Geschicht nun aber muß es bleiben

Weil in so kurtzer Zeit ich nichts Beliebts kan schreiben. Nur bloß ein kurtzes Lied mit seiner Melodie Sey noch herzu gesetzt dergleichen man fast nie Was Stimmwerk anbelangt in Teutschland angehöret

Es ist auff Polnisch’ Ahrt zum Brauttantz’ ihm ver- ehret Dem Herren Breutigam welchs manchen hat ergetzt. Und wo mir anders recht so war so gesetzt:

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