Verreden tauget nichts. Ich hett' es lassen bleiben Mein kleines Dichterwerk und schlechtes Verse- schreibeu Ja auch fast gar verre dt. Und das weil dieser Zeit
Wenn ein auffrichtigs Hertz vol teutscher Redligkeit Ein gut gemeinter Sinn bißweilen etwas setzet Obs gleich auch lobens wehrt vor nichtes wird geschetzet Auß lautrem Haß und Neid; weil sag’ ich mancher Man
Der sonst die ädle Kunst befördern sol und kan So falschpolitisch ist daß dessen Wörter fliessen Gleich einem Nektarstrohm’ in dem er zu versüssen Und zu verzukkern weiß die bittre Hertzensgall
Vom Pluto selbst ererbt. Ein solcher bringt zu Fall’ Offt den ders nicht gemeint; das sind noch gute Schwenke! Bildt er ihm gröblich ein und außgeübte Renke Damit et manchem hat ein Badchen zugericht.
Oho man merkt es wol! man ist so alber nicht Wie man es wol gedänkt man ist auch etwas witzig Vor solcher Heucheley ob schon nicht allzu spitzig. Dieß wer’ allein genug daß mancher würd’ erregt
Daß er von dieser Kunst die Feder nieder legt’ Und ltesse davon ab. Doch Nein. Laß Scylla bellen; Laß stürmen Eolus; Neptun ergieß die Wellen In deinem Hellespont bald tief bald Wolken auff
Der ädle Kafareus gibt doch nicht So viel drauf; Er wird wol etwas naß doch nichtes nicht beweget Durch deine Wüterey wenn sich dein Grimm geleget Dann steht er wie ein Held so prächtig wie zuvor
Und hebt sein tapfres Heupt trotz deinem Grimm’ empor; So ist es auch bewandt mit solchen ädlen Sinnen Die schon erhoben sind biß an Olympus Zinnen.
Und auch viel höher noch vermittelst ihrer Kunst Die sag’ ich achten nicht der Neyder blauen Dunst Und außgespeytes Gift. Wolan ich bin gesonnen (wiewols verschworen fast) der ich noch nicht gewonnen
Das Lob der Poesie wie andre schon erlangt Wie andre derer Haar von Daffnerslaube prangt Zuschreiben die Geschicht vom ädelen Myrtillen Und seiner Schäferin der schönen Eufrosillen
Wie Er so schmertzlich sehr in Sie verliebet sey Und endlich Sie in ihn mit felsenfester Treu. Es war schon üm die Zeit wenn kalt und stürmig wettert
Der strenge Boreas wenn alle Beum’ entblättert Fast Krafft- und Safftloß stehn! wenns sag’ ich durch die Kält' Orion bringt dahin daß bald ein Regen fällt
Bald wieder Schlakk und Schnee als am Passargerstrande Bey jenem reichen Strohm’ hier im Prutener Lande Myrtillus seine Schaf’ auff Heiden weiden ließ Myrtillus den sein Leid von Hertzen klagen hieß.
Sein’ Augen waren voll von blassen Thränenquellen Die Wangen waren gleich des Todes Mitgesellen Er seufftzet’ immer fort er schriehe Weh und Ach Auf seine Hertzensangst auf sein groß Ungemach
So ihm tag. täglich wuchs in seinen ädlen Sinnen Wenn er nur angedacht’ an seine Schäferinne Die schönest’ Eufrosill’. Ach sprach er Hertzeleid! Ach! ach und aber ach! wo ist doch jene Zeit
Da ich mit rechter Lust in göldner Freyheit lebte? Da ich gantz Liebe loß wie bey den Engeln schwebte? Wo bistu theurer Schatz wo bistu Freyheit hin Die du wol ehmals hast bewohnet meinen Sinn?
Auf auf Nord-Oosten Windyerhebe dich aus Norden Bring meine Seüfftzer hin zu jenem Schäfer-orden Zu jener ädlen Zunfft bey jener schönen Stadt Die Schäfer Romulus nach ihm genennet hat.
Sag der Geselschafft an dort im Latinerlande Bey denen ich mein’ Herd’ am feisten Tiberstrande Getrieben auff und ab; Myrtillus sey verliebt Der Freyheit gantz entsetzt und hertzlichen betrübt;
Auf auff Süd-Oost von Oost mit deinem schnellen Wehe Eyl nach dem Themsenfluß’ und mach daselst verstehen Die liebe Brüderschafft daß es üm mich geschehn Daß ich nicht mehr Myrtill den sie zuvor gesehn;
Kehr dich recht Südenwerts in die Pariser Felder Auch in mein liebes Genfund dessen schöne Wälder Da ich so manchesmal vor dem in stoltzer Ruh Mein Vieh geweidet hab’. Ach! was doch bin ich nu?
Ich bin fast nicht mein selbst ich weiß nicht was ich mache Ja ja ich geh’ ich steh’ ich fitz’ ich schlaff’ ich wache So bin ich doch betrübt; Die traurig’ Einsamkeit Such’ ich bey Tag’ und Nacht womit ich meine Zeit
Mit seufftzen bringe zu: mein Hertze wird benaget (plaget Von mancher Sorg’ un Furcht; die schwartze Schwermut Un schwächet mein Gehirn; bald werd’ ich da beschweret Von mancher Noht un Angst; bald werd’ ich hie verzehret
Von eitler Eyfersucht; die traurige Gedanken Die steigen hin und her durch stetigs Wechsel-wanken. Und solches dieß mein Leid ist keinem so bekant Als Vaterland dir dir du liebes Oberland.
Wie offtmals hab’ ich doch fast meiner sebst vergessen; Wie offtmals bin ich doch bey meinem Vieh gesessen Und mir ein Grab gewündscht; mein grosser Uberdruß Hat offtmals nachgehallt bey dem Passarger Fluß
In dieser Wildnüß hier so daß auch mit mir armen Der stumme Baum und Pusch gehabet ein Erbarmen- Und alles dieses Leid und hertzliches Beschwehr Rührt eintzig und allein von Eufrosillen her.
Doch solte diese Qual mich nicht so sehr betrüben Wenn mich das liebe Kind nur hertzlich wolte lieben Wenn sie nur möchte sehn in treuer Hertzensgunst Wie groß mein Liebesleid und meine heisse Brunst
Das angelegte Feur so über sich zusammen In meinem Hertzen schlägt mit vollen Flatterflammen. Wenn sag’ ich dieses wer’ alsdenn wolt’ ich mein Leid Versenken tief hinab in die Vergessenheit.
Ach! aber es verfängt bey ihr gleich wie im Mertzen (tzen Der feuchte Schnee zergeht durch Krafft der Him̃elsker- Jhr Sinn steht Klippenfest an dem der Thränenfluht Noch meiner Seufftzer Wind nicht ein Bewegnüß thut.
Drüm helfft ihr Götter ihr die ihr das Hertz regieret Des Menschen wie ihr wollt und dessen Sinne führet Wohin ihr nur begehrt ach lenket ihren Sinn Daß sie erkennen mag wie ich ihr Diener bin.
So klagete Myrtill daß er vor heissen Thränen Und vielen Seufftzen kaum noch kunt’ ein Wort erwehnen Er nam den Grabepfriem und seinen Hürtenstab Gieng in den Wald hinein bald auff bald wieder ab
Biß er gefunden hat die schönsten Erlenbeume Die glatter Schaalen sind in die Er diese Reyme Mit seinem Pfriemen grub:
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