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1621–1681

Die verständige ABJGAJL .

Georg Neumark

Weil Kenas also singt war fast die Nacht ge- wichen Der Sonnen Kammermagd Matuta kam ge- Und bahnete den Weg der Tagesmeisterin Der Fürstin des Gestirns und nahm den Nebel

Apollo stieg herauf mit seinen schönen Strahlen Fing an den Ostenberg mit Golde zu bemahlen: Es brach mit voller Macht der helle Morgen- Der neu-gebohrne Tag mit seinem Glantz her-

Der Vögel leichtes Volk sang mit gefasten Freu- Die Schäfer trieben schon das Vieh nach ihren Ein Knecht von Nabals Haus trieb auch des Der sagts dem Kenas daß sein Herr gestorben

Er zählt wie Nabal doch so liederlich gelebet In was vor stetem Kreutz’ Abigail geschwebet Die nun des Elends frey sagt was vor große Und überschwenglichs Gut Er ihr gelaßen

Auch habe Sie von Jhm kein einigs Kind gezeu- Sie sey ein freundlichs Weib zu aller Zucht ge- Verständig jung und schön ein helles Tugend- Das aus viel tausenden mit seinem Glantze

Auf eben diesen Tag hat David vorgenommen Aus Parans Wüsteney ins freye Feld zukom- Er hat schon angehengt sein hellpoltrtes Es steht vor ihm gezäumt sein fiegbegierigs

Da ebe nun das Heer mit vollen Waffen pranget Ist Kenas von der Wach zu David angelanget: Er neiget sich vor ihm wünscht einen guten Er schüttet vor ihm aus was ihm im Hertze lag.

Sprach ädler Fürst Glükk zu der Schimpf ist Die Schand ist weg gethan und unsre Schmach Schau Nabal der ist todt der ungeschliffne Daß Er nu nimmermehr uns wieder schimpfen

Als ihm Abigail hatt alles offenbaret Was ihm war zugedacht un Maon sich befahret Ist Er dardurch gesetzt in solche Qual und Pein Daß endlich Er davon des Todes müssen seyn.

Als David nun das Wort von Kenas angehöret Wird sein bißherig Leid in Freud’ und Lust verkeh- Lob sagt’ Er sey dem HErrn der mich hat an- Der meine Feinde läst also zu boden gehn.

Es ist den Jenigen die mich verderben wolten Und Nabaln sonderlich auf seinen Kopf vergol- Mein ungeneigter Feind der mich zu fällen Ist von dem höchsten Gott zur Leiche selbst ge-

Hier steht man ja daß Der selbst in die Grube fäl- Die Er aus bösem Sin dem Nechsten hat bestellet. Die Untreu schlägt sich selbst. Hiermit schwieg Er trat allein bey seit dacht’ an Abigail.

Die nun durch diesen Fall in Witbenstand verse- Betrachtet’ ihre Ziehr und sich damit ergetzet: Es wird ein Liebesfeur im Hertzen aufge- Das ihme nach un nach durch alle Glieder geht.

Er denkt an ihre Red und derer süße Worte Die Sie so weißlich sandt’ aus der Korallnen Pfor- Und mit besondrer Ahrt hervor zu bringen Die man von ihr gehört mit Hertzvergnügter

Die Alabasterstirn die Röselichten Wangen Der Purpur-gleiche Mund der Augen helles Der weiße Marmolhals der Brüste liebes Sehr lieblich aufgewelbt das weißgelb dunkle

Der schwankgewachsne Leib die wolgeschikten Die trieben sein Gemüht verliebet hin und wie- Der Sitten Freundlichkeit der Tugend hoher Nahm ihm je mehr und mehr Hertz Muht

Er that auch was Er wolt’ Er dacht an Chari- Die vierdte Charis selbst ein kluges Liebs ermah- Zwang sein treu-flammend Hertz daß Er Sie Biß ihre Gegengunst und Jawort ihm bekandt.

Er ziehet ihm zu Sinn die wunderwehrte Ga- Spricht endlich bey ihm selbst: Ich muß die Göt- Ob schon Sie nicht entsprosst aus Königlichem So ist doch Königlich und Himmelgleich ihr

Was frag’ ich nach dem Stand’ und hochgeprahl- Sie ist klug jung und schön Sie lebet sonder Ta- Wie jederman Sie rühmt: Ist das nicht ädel Recht ädel ist mir der der Witz und Tugend hat.

Was helfen einem doch viel bunte Wapenfah- Was nützt ein groß Geschlecht der weitge- Wenn man nicht im Gemüth’ ein Tugendwa- Die Tugend ists allein die einen Menschen

Wer in der Heyraht sich auf Hoheit nur wil grün- Der wird vor Freud’ und Lust oft grosses Leid em- Wolan der Schluß ist da. Er fasset seinen Und schikkt noch in der Früh zu ihr Gesand-

Die eylen fort zu ihr als sie nun hingekommen Hat sie Abigail gar freundlich angenommen Nicht wissend was ihr Thun: Sem nimmt Sie Grüsst erst und tröstet Sie in ihrem Trauer-

Sie nimmt es höflich an mit weinenden Gebär- Wie eine Witwe pflegt die kaum noch in die Er- Hat ihren Mann gebracht da dieß nun war ge- Fängt Sem sein Ehgewerb’ und gute Bot-

Vernim hochwehrte Frau was ich soll ferner sa- Was David mir vertraut und treulich aufgetra- Es steht dein Ehrenglükk durch Gottes Wun- Jtzund auf diesen Tag in seiner vollen Blüht’.

Es hat dein weiser Sinn und deine Tugend wan- Dem David glaube mir sein gantzes Hertz ge- Dein hochvernünftigs Wort und trefflicher Hat gäntzlich ihn zu dir mit keuscher Brunst

Er hat dich innig lieb Er meinet dich mit Ehren Er wird biß in den Tod sein Hertz nicht von dir keh- Du solst noch diesen Tag an seiner Seite stehn Er hat dich ädles Weib zu Ehgemahl ersehn.

Dieß haben wir Befehl dir freundlich anzudeu- Darzu du dich denn wirst verhoffentlich berei- Es ist ein Königshertz das gegen dich entzündt Bedenk es wol un schlag es ja nicht in de Wind.

Der so dich hertzlich liebt ist zu der Kron geboh- Zum Reich in Jsrael von Gott selbst außerkohren Vergönnst du ihm dein Hertz und deinen Keu- So wirst du heute noch ein hochgepriesnes

Denk was du itzo bist und was du soltest werden Du bist die Glükklichste auf dieser gantzen Erden So weit wird nun dein Stand durch dieses So weit Jerusalem dem Maon übergeht.

Die du zuvoren lagst in Hütten bey den Schafen Solst bald in Sionsburg bey einem Könge schla- Solst eine Hirtin seyn in Jacobs großem Und hüten das Geschlecht vom Saamen A-

Ein König von Verstand ein Fürst von Helden- Wil sich verehlichen mit deiner zahrten Jugend: Es ist kein Narrenkopf der dich Abigail Wie Nabal hat gethan mit Angst betrüben wil.

Bedenk wie viel doch seyn der Allerhöchste Frauen Die sich von hertzen gern mit David ließen trauen Wenn ste das Glükk so liebt’; Allein du bist das So ihm ins Hertze scheint: Dich und sonst kei-

Wil Er vor dieses mal ihm laßen zu gesellen Drüm schikke dich fein bald in solchen Wolfahrts Der Sache denke nach un sag mit einem Wort Ob du den David wilst? Wir müsse wieder fort

Drauf wird Adigail mit Scham gantz übergossen Die Wangen schtenen ihr mit Milch und Blut Sie tritt ein wenig ab wird Trost und Freuden Und weiß kaum in der Eyl was Sie drauf sa-

Sie denkt ein solches Glükk kömmt mir nicht alle Denkt an die neue Lust und an die alte Plage Die Sie erlitten hat bey Nabals Lebenszeit Sie ziehet ihr zu Sinn des Davids Höflichkeit.

Und saget bey sich selbst: Der höchste sey geprie- Der mir gantz unverhofft so große Gnad’ er wie- Die Sache rührt von GOtt vom Himmel Dem ich mit Hertz und Sinn auch billich fol-

Sie’ gehet wieder hin zu denen Abgesandten Fragt keinen nicht um Raht von ihren Anver- Was ihr hierin zu thun Sie weiß und zweifelt Daß Gottes Wunderraht dieß Werk hab’ an-

Sie fänget also an: vernehmt ihr tapfre Helden Was ich Euch zum Bescheid’ vnd Antwort wil Ich sehe daß dieß Werk vom Himmel sey be- Und daß mir solches Glükk vom Allerhöchsten

Es ist des HErren Werk daß solch ein ädler Kö- Sein Hertz auf mich gewandt die ich so schlecht In diesem Lande bin wolan ich geh’ es ein Mein unverfälschtes Hertz sol Davids eigen

Ich wil als eine Magd ihm gern zu Dienste stehen Wie mich der Himmel führt so wil ich willig ge- Ich folg ihm hertzlich gern wohin Er mich be- Wolan des HErre Will ergeh’ an seiner Magd

Sie eylt und machet sich zu dieser Reise fertig Weil Davids Freyersvolk noch da und gegen- Sie putzt sich ziehrlich aus nimmt Dienerin- Giebt Maon gute Nacht und macht sich auf

Als die Gesandten nun mit jhr zu David kom- Hat Er Abigailn mit Freuden angenommen Er nahm sie alsobald bey ihrer zahrten Hand Und gab ihr einen Kuß zum ersten Liebespfand.

Er offenbaret’ ihr die süsse Liebesschmertzen Die Er bißher gehegt in seinem tapfern Hertzen Er sagt daß seine Pein und wahre Liebestreu Von ihrer schönen Zucht und Tugend kommen

Er nennt Sie seine Sonn’ und seines Lebens Le- Er rühmt und lobet Sie versichert Sie darneben Daß Er biß in den Tod ohn allen falschen Durch echt gerechte Trau’ ihr Liebster wolle

Und daß Sie sehen mag was Er ihm vorgenom- So lest Er alsobald den In Priesterlichem Schmukk’ eröffnet ihm den So ihm Abigail gesenket in das Hertz.

Sagt daß Er willens sey Sie ehlich ihm zu trauen Damit auch dieses Werk ein jederma mag schaue So wird das gantze Heer in offenb ahrem Feld’ Auf einem schönen Platz’ als Zeuge vorgestellt.

Drauf giebt Abiathar die Held- und Tugendflam- Die schön Abigail und David bald zusammen Er spricht den Segen drein er schläget Hand Er knüpfet zwischen Jhn’n ein festes Eheband.

Das gantze Heer sieht zu es sänget an zu Der Himmel gebe Glükk Heyl Wolfahrt und Gott laße dieses Paar in Freud’ und Wonne Mit Segen angefüllt viel Kindes Kinder sehn.

Gott laß Abigail die Flamme keuscher Frauen Kein Unglükk keine Noht noch ein Betrübnüß Was unser David selbst im Hertzen nur be- Das sey mit frohem Ja vom Himmel ihm ge-

So hat sich Davids Treu und tapfre Heldentu- Mit der Abigailn Verstand’ und schöner Jugend Verbunden und vermählt. So ist des Grim- Durch kluge Höflichkeit in Lieb’ und Gunst ver-

So kamen diese zwey in reiner Brunst zusam- Und leschten beyderseits die keuschen Liebesflam- Es wurd’ Abigail des Davids liebes Weib Er ehrt’ und liebte Sie als seinen eignen Leib.

Er konte sonder Sie kaum eine Stunde leben Jhr war sein Hertz und Sinn gantz inniglich er- Sie liebt ihn wiederüm mit wahrer Hertzens- Und wohnt ihm Tag und Nacht mit keuscher

Hier sieht man was Vernunft und Tugend nur Was ein verständigs Weib vor Unglükk ab kan Hergegen steht man auch was ein unweiser Mit seinem Narrenkopf’ im Hause stiften kan.

O übergroßes Glükk! Wenn sich zwey Hertzen So beyde guter Ahrt! Wenn gleich und gleich sich Die Eh’ heist sonst ein Weh; Wo aber Einig- Da lebet man vergnügt ohn alles Hertzeleid.

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