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1621–1681

Die unglükkselige SOFDNJSBE.

Georg Neumark

Als Asdrubal erlegt und Syfax drauf gefangen Als Ist in derselben Stadt was merkliches ge- So man zum theile kan aus diesem Kupfer

Die übrige Geschicht weil man sie nicht kan Soll meine Poesie der Feder anvertrauen. Auf meine Parnassinn erzehle dieses mal Wie daß die Lieb’ auch spielt bey Pulver Bley

Bey Sturm bey Mord und Brand bey streit- Und wie sie durch den Krieg nicht mag gedämpfet Auf daß ein jeder Mensch mag lernen dieß da- Daß Fürsicht-seiner-selbst sehr hoch von nöh-

Die Furcht ist in der Stadt das Schrekken auf den Wallen Es werden Thür und Thor von Feinden über- Der tapfre Kriegesheld macht sich selbselbst (in meinung wo er selbst da sey es wol gethan)

Trabt als geflügelt fort mit tausend frischen Die all’ entschlossen find biß auf den Tod zu- Zum Königshofe zu da war kein Wieder- Nicht einer war zu sehn der sich mit Waffen

Allein die Königinn von Aengsten gantz durch- Sah diesen kühnen Held den Masanissen kom- Den tapfren Masaniß sie sahe die Gefahr Und die Leibeigenschaft so ihr vor Augen war.

Sie fügte sich herab gieng ihm betrübt ent- um den erzörnten Muht ein wenig zu bewegen Fiel vor ihm auf die Knieh’ und weinte bitter- Er blieb ein wenig stehn; Erbarm erbarme

Sprach das betrübte Weib du Sieger dieser Beschirme meine Zucht vor Spott vor Hohn Denn dieses ist ein Werk das deine Thaten Und deinem Heldenmuht’ ein ewigs Lob ge-

Vor kurtz verwichner Zeit saß ich hier auch ge- Nu aber mein Gemahl entzeptert und entthrö- Und dein Gefangner ist bin ich dein’ arme Die dir in diesem Staub’ ihr heisses Leiden

Wie wunder-wunderlich kan sichs mit Menschen Wenn ihr Verhengnüß tobt wenn Glükk mit Auf sie ergrimmet ist! wer grossem Glükke Der hat auf anders nichts als Schnee und

Weil dir es denn geglükkt und Gott es nach ge- Daß du das Feld erhieltst so laß mich dieß er- Daß ich befreyet sey Die alle Welt fast siht bey eurer Römschen

Jhr habet den Gebrauch daß ihr der hohen Und großer Landesherrn nicht pfleget zu ver- Jhr macht sie fesselfest und führt sie allge- Die Gassen auf und ab zu ihrer großen

Und das (ach Hertzeleid!) so ferne sie geschla- Und nicht gesinnet sind das Römsche Joch zu Drüm bitt’ ich noch einmal gib mich nicht in Und offentlichen Schimpf laß deine Königs-

Mein letztes Ende seyn; stoß mir ein kaltes Eysen Durch diese zarte Brust laß einen Damit ich sterben mag misch Scorpionen- Das durch die Adern dringt und bald zum

Ich trink’ es hertzlich gern; Ach laß mich dieß er- Laß eine Königinn nicht eine Sclavinn sterben. Mit diesem schwieg sie still und was der matte Vor übergrossem Weh nicht weiter reden

Hat ihr betrübtes Hertz durch die liebreitzend’ Mit einer milden Fluht mit scharffer Thränen- Von sich heraus geseufftzt Jhr traurigs An- War so daß solches auch ein Stein erbarmen

In dem das ädle Weib solch klagen von sich Wird unser Masaniß der junge Fürst verlie- Er stehet wie entzukkt wird gantz Gedanken- Weis kaum auch was er thun und was er las-

Er steht mit seinem Volk’ ist gantz mit Stahl Dennoch wird ihm ein Pfeil durch Hertz und Das tapfre Kriegesheer die Waffen die er Die waren ihm zum Schutz nicht stark und

Sein Leuengleicher Sinn wird dergestalt er- Daß er wird als ein Lamm die süsse Liebe schlei- Allmählich in das Hertz’ die liebliche Gestalt Bringt diesen Kriegesmann bald unter die Ge-

Denn sie war solch ein Mensch daß ihrer Augen Den Mit Milch und Blut vermischt der weissen Schien durch den Purpurmund den Perlen

Jhr kluges Reden war von Liebesreichen Wor- So sie mit Höflichkeit durch die korallne Pfor- Sehr wol zu führen wust’ ihr Glantz blicb’ Wie sehr der Thränenstroom ihr aus den

Der schwartze Trauerflor der ihr das Haupt be- Hat sonderlich bey ihr Anmuhtigkeit erwekket. Denn ihre Purpurröht’ und ihre Liljenzier Stach sich noch besser ab und brach mit Lust

Seht wie ein seltzams Werk hat man schon hier Der große Siegesmann wird selber überwunden Der itzo seinem Heer’ ein’ edle Beut’ erlaubt Steht durch ein schönes Weib fast seiner selbst

Und kurtz von dieser Sach’: ein Fänger ist ge- Sein Ritterhertze steht in Sofonisben Wan- Er springet von dem Pferd’ und hebt sie aus Auf dem sie kniehend lag er fast sie bey der

Er führt sie in das Hauß fängt an ihr zu er- Wie er in sie verliebt verspricht sich zu ver- Mit ihr aufs eheste Die vor gefangen schien’. Es wird im Läger

Es schallet in die Welt es wird bald ausgestreuet Was Masanissa thut die schnelle Fama schreiet Und machts dem Volke kund es wundert alle Daß dieser tapfre Fürst der ritterliche Held

Die Tochter Asdrubals der Römer Feindinn Und sein so mannlich Hertz derselben gantz er- die von Karthago doch der Africanschen Stadt Jhr Ankunfft und Geschlecht’ herab gestam-

Was thut die Liebe nicht? Die kurtz zuvor ge- Wird nun als eine Braut im Hertzen eingefasset. der große Scipio als er die Zeitung hört Ergrim̃et in sich selbst er wurde gantz bethört

Er forderte sein Pferd es wurde bald gezeumet Und zu ihm hingebracht er schwung sich unge- In seinen Sattel nein verbost in seinem Sinn Und reitet in vollem Galoppe zum jungen Für-

Wie? sprach er Masaniß last ihr die Waffen Und wolt zur Unzeit euch mit einem Weibe Die unsre Feindinn ist? ist euer stählner Muht So liederlich verschmeltzt in geiler Licbes-

Ich bitt’ euch ädler Held last Den dieß Thun be- Der stets in Wollust lebt der faul- und feiger Last dieß ein Lekker thun denn Der ist deß be- Der seine Lust und nicht die Römsche Wol-

jhr habt den Feind erlegt mit großem Tri- umfiren Und wolt nun euren Ruhm mit eitler Lust be- Ey pfuy! das ist nicht fein viel minder wolge- Dieß stehet einer Memm’ und keinem Ritter

Wer pflegt sein Heldenlob so bald hindan zu Und üm ein schönes Weib so liederlich zu sche- Nur strenge Tapferkeit ist unsers Amptes Was euch und mir geziehmt ist kein versüster

Man hat vor Augenlust sich besser vor zusehen Als wenn der Feind auf uns lest scharffe Pfeile Kein tödtliches Geschoß kein Schwert kein Macht uns so hefftig wnnd als schöner Augen

Es ist ein grösser Werk Begterde zäumen kön- Als feste Festungen und Städte zu gewinnen. Doch sind die zwey zugleich der Helden Zeit- Das eine vor den Geist das andre vor den

Hört aber Masaniß ihr solt auch dieß noch Ob Asdrubal gleich ist vom Felde weg geschmis- Und Syfar bey uns fest; Es war die Römsche Die Cirtha mit Gewalt hat unter sich ge-

Darüm muß man den Raub von Stükke biß zu Gold Haabe Menschen Vieh nach Rom zu- Auch Sofonisbe selbst eur’ ädle Hertzensruh Gehört dem großen Rom als eine Sclavin zu

Und nicht nur euch allein. Sie muß nach Rom Da wird nichts anders drauß. Da da könnt ihr Vor unserm gantzen Raht’ und halten üm sie Jm fall ihr etwa meint daß solches wolgethan.

Ach denket denket doch wer dieses Land verzehret Wer gantz Numidien so jämmerlich verheeret das euer eigen ist? Hat Sofonisbe nicht Durch ihre Schmeicheley solch Elend ange-

Wer hat doch ihren Mann den Syfax wol be- hat sie ihn nicht gereitzt daß er uns vorge- logen Und untreu worden ist? Mein! bildet ihr euch Daß sie euch allezeit werd’ huld und redlich

Ich trau’ ihr nimmermehr. Wer einmal Untreu Und einen falschen Wurm in seinem Hertzen Der bleibt allzeit verdacht. Ich frag’ euch Des Andern Ehgemahl und noch nicht Witwe

Wo dieses Weib nur möcht’ aus unsrer Hand Und einen freyen Fuß durch eure Gunst gewin- Jhr würdet selber sehn wie sich ihr gantzer Zur Rache lenken solt’. O nein da kömmts

Drüm schlagt sie in den Wind und denkt an eure Durch die so mancher Ruhm euch kühner Held Und wo euch meine Lieb’ und aller Römer gunst Wird angenehme seyn so dämpfet diese

Jhr habt es ja an mir so manchesmal gepriesen Daß ich die geile Lust so kräfftig abgewiesen gedenkt ihr nicht wie ich dort zu Kar- thago that Als jene keusche Frau mit Thränen vor mich

Mandoniens Gemahl mit ihrem Frauenzimmer? Bezwung’ ich mich nicht da? die geile Lust hat Mein Meister können seyn. Des ädlen Celtibers nicht solcher schönen Haut

Als eure Sofonisb’? ja zehnmal mag ich sprechen. Noch dennoch wust’ ich mich den Lüsten zu ent- Wolan so thut es auch der ihr euch Römisch Dieweil ein römsches Blut sonst nichts als

Wer sein begierlichs Fleisch im zaume kan er- Und seine böse Lust nicht über sich läst walten Der ist weit mächtiger und viel ein größrer Als der der hohe Wäll’ und Thürme fällen

Wie aber seltner Zeit ein guter Raht verfänget Bey dem der sein Gemüht’ an süsse Lust ge- So gieng es hier auch zu: je mehr der Den jungen Fürsten strafft’ je stärker fieng

Und brandt’ in heisser Gluht. Er geht mit tau- Vom Scipio hinweg geht mit verwirrtem Allein in sein Gezelt er klagt mit Weh und Er weiß nicht was zu thun bey solcher schweren

Auf einer Seiten steht sein außerwehltes Leben Die schöne Sofonisb’ an die er sich ergeben Und auf der anderen steht Rom sein Gegen- Das weitberühmte Rom mit seiner Kriegsge-

Zum letzten bricht er auß: So muß ich dich denn Du solst mir gleichwol nicht auf allen freyen Zu dein- und meiner Schmach herüm geführet Es ist noch ander Raht. Nein Sofonisbe nein

Befürcht dich dessen nicht. Dir hab’ ich zwar ge- Dein Ehgemahl zu seyn dich hatt’ ich zwar er- Zu meines Hertzens Lust: Nun aber muß ich Rom gibt es mir nicht zu. Ach du mein liebsies

Mein Hertze bricht mir fast daß ich dir nicht kan Was ich dir zugesagt die Römische Gewalten Die stehen wider mich. Doch dieß versprech Dieweil ich liebster Schatz dich itzo doch ver-

Es soll dich keiner nicht zum Siegespracht’ er- Du solst im fall du wilst in deinem Bette sterben Daß nicht dein stoltzer Feind die Römsche Aus dir ein Schauspiel mach’ uns beyderseits

Man hat mich zwar gehemmt in meinem Lie Doch was bey mir bedacht soll Rom durchaus Ein balddurchdringend Gift in einem Becher Soll dir in diesem Fall dein letztes Labsal seyn.

Darauf ließ er ihm bald ein güldnes Schaalchen Goß starken Wein darein mit Gift und andern Wol durch und durch gemischt er sah es kläg- Gieng bey sich selbst zu Raht ob dieß auch wol

Doch endlich schikkt’ ers fort mit vielen Trauer- Zu seiner Sofonisb’ und ließ dabey ihr sagen: Er hette sich bemüht aus aller Sinnen Kraft Doch das geringste nicht bey Scipio geschafft.

Es wer’ ihm schmertzlich leid daß Er sein Liebß- So Er ihr zugesagt müsi itzo leider brechen Er were Rom verpflicht Er könte nichts Er fünde keinen Raht Er thu’ auch was er thu.

Das gantze Römsche Heer und dessen hohe Glie- Die weren allesammt hierinnen ihm zu wieder: Dargegen wüst’ er nichts Er müst’ es lassen Weil Er dem gantzen Volk nicht könte wieder-

Wenn Er sich gleich vor Sie erklährte selbst zu Um Jhr als seinem Schatz die Freyheit zuer- So wer’ es doch ümsonst dadurch würd’ ihre Und groß Bekümmernüß doch nicht geendet

Sie müste doch hernach nach Rom sich lassen Und einen Siegs-Triumph als eine Sclavin Damit denn weder ihr noch ihm geholfen wer’ Kein Mittel wäre da zu Rettung ihrer Ehr.

Vor solchem Schimpf und Spott könt’ Er Sie Vermöcht’ auch selber nicht wie sehr Sie ihn Wie heftig Sie gefleht das hochbetrübte Mit seiner eignen Hand zu tödten ihren

Was raht alhier? Er ließ wiewol mit Hertzens- Der liebst- gewesnen Braut noch endlich dieses Trink dieses aus und stirb als eine Köni- Hier ist dein letzter Trost und dein Erlöser

So bald die junge Frau die Botschaft hatt’ em- Schoß ihr der bleiche Tod auf ihre schöne Wan- Sie fieng zu weinen an Welchs ihr betrübter Fürst ihr hatte zuge-

Und sprach O wehe mir! ach weh der großen Die mir durch diese Post gestiegen sind zu Hertzen! Ach daß mich Asdrubal mein Vater hat erzeugt! Und meine Mutter mich an ihrer Brust gesäugt!

Wie über-wandelbar sind doch des Glükkes Wie ferne wirft es mich doch itzo doch zurükke! Ich war vor kurtzer Zeit die Sonne dieser Man weiß wie Cirtha mich so hoch geehret hat.

Mich hat Numidia in Demuht angebeten Als seine Königinn nu werd’ ich untertreten Und schimpflich angefeindt von Roms beglükk- Jtzt wird mein hoher Stand von jederman

Ich hette zwar vermeint man würde ja der Vor anderm schlechtem Volk’ hierinnen etwas Nu aber seh’ ich wol (O Unbarmhertzigkeit!) Daß bey dem stoltzen Rom sey gar kein Unter-

Hat mich mein Masaniss mein Bräutgam mein Mein hertzgeliebter Printz vermeindlich mein Der sein getreues Hertz und Königliche Mit süsser Liebesfrucht mir ehlich zuge-

Hat mich mein Masaniss sag’ ich nicht können Von dieser Grausamkeit von diesen Band- und Ach warüm hat Er mich vor seinem Angesicht Mit seiner Heldenfaust nicht sträkklich hinge-

Doch seine Lieb’ und Gunst hat es nicht zugegeben Sein Wille war mit mir in Freud und Lust zu Weils aber nicht kan seyn so halt’ ich billich Dem was itzund mit mir der strenge Himmel

Wolan so geb mein Freund nur wiederüm zu- Wünsch Masanissen dort von mir viel Heyl und Sprich daß ich brauchen wil was du mir zu- Und sag von Sofonisb’ ihm tausend gute

Als Sie dieß ausgeredt mit naß-bethränten Und Masanissens Knecht von ihr hinweg ge- Sah Sie den Mordgetrank im Becher kläg- Und hat zu guter letzt die Rede noch gethan:

Ist dieß der Liebestrunk sind dieß die reichen Womit mein Masaniss mich itzo wollen laben? Soll dieser Becher hier mit Gift-vermischtem Mein köstliches Geschmeid’ und Brautgeschen-

Ist dieß der göldne Ring womit er mir ver- Sein unverfälschtes Hertz? ist dieß was er mir Mein theures Hochzeitkleid sehr köstlich durch- Soll dieß der Brautschatz seyn den er mir zu-

Mein werther Bräutigam? Sind dieß die schöne Mit welchen eine Braut sehr prächtig pflegt zu Jedoch dieweil es Rom durchaus nicht leiden Daß er mich freyen soll so halt’ ich gerne still

Dem was mein Unglükksstern hat über mich ver- Ich trinke diesen Wein der wol ist durchge- Mit starkem Spinnengift ich trink’ ihn un- Mein Fürst der hat gethan was er mir zuge-

Sol ich nicht in der Welt als eine Fürstinn le- So wil ich hertzlich gern dem Tode mich erge- Wo ich nicht sitzen kan in Königlicher Ruh So eyl’ ich ungescheut dem schwartzen Gra-

Es ist weit löblicher mit unerschrokknem Her- Dem Tod’ entgegen gehn und dessen bittren Als stets mit Schimpf und Spott der Welt Ein tapfres Heldenhertz verlacht die Todes-

Dieß Wort war kaum geredt da sie den Wein So wol was oben schwamm und was hinab ge- Das trank sie rein herauß. Das Gift das Geht alle Glieder durch die Hände werden

Sie seuffzet innerlich sie geht in ihre Kammer Sie legt sich auf ihr Bett treibt keinen großen Da sie nun endlich fühlt den letzten Hertzen- Verdroß es selbst den Tod daß sie nicht

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