Ein rechter Tugendgeist und trefliches Gemühte Sicht nicht nach grossem Stand’ und Dieweil es in gemein auf Pracht und Hoch- Und seinen blinden Sinn auf schnöde Wollust
Wenn ungeschminkte Ziehr sich bey die Tugend So ist ein edler Sinn von Hertzen wol vergnüget Er fragt nicht viel darnach woher ihr Ursprung Jm fall Sie nur mit Ehr und Redligkeit ge-
Die Tugend nim̃et oft aus armen Schäferhürden Ein schlecht-geschetztes Mensch und bringt sie Nehmt hter ein Beyspiel ab: Ein’ arme Schä- Wird durch der Tugendkraft zu einer Hertzo-
Der Hertzog Huldenreich der Fürste der Bohemen Der Herr von jenem Land’ in dem man andern Der Elbenfluß entspringt war aller Hoffart Und gleichsam von Natur ein ädler Tugend-
Er trug von jugend auf zur Jägerey Belieben Mit welcher er sehr oft die lange Zeit vertrieben Das städtische Gepräng war ihm ein lautrer Ein schönbewachsner Wald war seine höchste
Er ritt’ auf eine Zeit als Fœbus freundlich straal- Und das verjüngte Feld mit göldnen Straalen Mit Dienern auf die Jagt Er kam bey ein Ge- An einen schönen Ohrt der fast dem
Dort in Ein abgehaltes Feld voll schöner Lieblichkeiten Die Wiese war mit Klee und Blumen unter- Auf der das Wollenvieh in satter Wollust tischt’.
Auf einer Seiten stund’ ein felsenreicher Hügel Der voll Gepüsche war; das singende Geflügel War da in grosser Meng; die schlaue Nach- Die schlug mal übermal;
War auch zu hören da; Der Fels war überzogen Mit grünendem Gesträuch’ und schien als wie Von Meistern ausgewelbt darein man kunte Jmfall man einen Sturm und Wetter sah ent-
Von diesem Klippen schoß ein Wasser wiel Kri- Welchs ein Geräusche gab in seinem steilen fallen Es war sehr klar und hell erquikkend süß und Und rieselte mit Lust durch seine Myrtenpüsch’
Es samlete sich da bald in ein Thal zusammen In dem der matte Mensch wenn er durch heisse Der Sonnen abgeschwächt sich wieder kühlen In dem manch Schäferknecht sich Sommers-
Hier eben dieses Ohrts saß eine Schäferinne Zwar armer Leute Kind doch gleichwol keuscher Und treflicher Gestalt; Sie hatte sich bekräntzt Mit einem Rosenkrantz’ ihr schönes Haarchen
Als wer’ es lauter Gold es wurde durchgetrieben Vom sanftem Zefyrus als wenn er selbst Belieben Zu dieser Nymfen trüg’; aus ihrem Angesicht’ Erhellete mit Lust das rechte Tugendlicht
Der Spiegel aller Zucht; Mit Milch und Blut vermischt der Lippen schö- War hohem Purpur gleich der Hals wie El- Der Schnee vermochte kaum den Brüsten
Was weisse Haut belangt in summa alles Wesen Der jungen Schäferinn war schön und auserle- Es schien’ ob die Natur jr bestes Meisterstükk An ihr erwiesen hett’ ihr trefliches Geschikk
In allem was sie hat war löblich auzuschauen. Hier saß sie nun allein auf dieser grünen Auen Wo diser Wasserfall ins Thal zusammen floß Sie hatt’ ein Lämchen da auf ihrem weichen
Und wusch dasselbig’ ab das Kleid war aufge- Biß über ihre Knieh die Armen aufgestreiffet Und weil sie meinte daß sie gantz alleine war Ließ sie die zarten Brüst ihr schwesterliches
Von wegen großer Hitz’ auch ziemlich offen ste- Welchs aus der massen schön und lieblich anzu- In dem sie nun die Schaf’ in ihrer stoltzen Ruh Eins nach dem andern wusch sang sie diß Lied
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