Der Fürste höret zu und sieht die Schäferinne Mit steiffen Augen an. Sie wurde solchs nicht Er reitet sachte fort das Pferd geht seinen Er aber trägt im Geist’ ihr schön Gesichte mit.
Kaum kaum war er so weit mit seinem Volke Als etwan jemand kan mit einen Schuß’ ablange So kehrt er wiederüm und wendet sich dort- Wo er mit großer Lust die zarte Schäferinn
Zum ersten hatt’ ersehn; Doch wust’ er seine Sa- Sein angeflammtes Hertz so unvermerkt zu ma- Daß keiner seines Volks auf eine Liebe dacht’ Er sprach daß ihm der Ohrt der schöne Fel-
Das zierliche Gepüsch das rauschende Gewässer So treflich wol gefiel. Er wust’ es aber besser. Nicht dieser schöne Platz erfreuet ihn so sehr; Die schöne Schäferinn ergetzet ihn vielmehr.
Zum ersten hatte sie den Fürsten nicht gesehen Da sie nun solch ein Volk sieht üm und bey ihr ste- Erröhtet sie vor Scham steht auf und macht Treibt ihre Heerde Vieh an einen andern
Hier auf trägt unser Fürst zur Jägerey Verlan- Seht welch ein Wunderding! er wil die Hirsche Und ist doch selbst verstrikkt. Er hält im reiten Besinnt sich hin und her er weiß nicht was er
Wie hefftig er zuvor geneiget war zum jagen So sehr fällt nun die Lust die Sinnen sind zer- Er schiebt das Hetzen auf welchs er bestimmet Und kehret wiederüm zurükke nach der Stadt.
Er geht in sein Gemach und setzet sich da nie- Ist innerlich betrübt der Tag ist ihm zuwieder Die Diener merken zwar daß er melancholirt Doch weis es keiner nicht woher doch solches
Indessen ist der Tag allmählich abgewichen Die dunkelschwartze Nacht die kömmt herein ge- Ein jeder geht zu Bett’ und schläft in stiller Nur unser junge Fürst der thut kein Auge zu.
Die Liebe quählet ihn er kehrt sich hin und wie- Steht bald ein wenig auf legt sich bald wieder Und redet mit sich selbst: Was ists das mich Das mein betrübtes Hertz in solchen Weh-
Was ängstiget mich so? Was sind das für Ge- Die bey mir hin und her mit solchem Sturme Waß ist das für ein Thun das mich die gantze Nicht einmal schlafen lest und mir solch’ Un-
Was? soll die schlechte Magd mein Fürstenhertz Und meinen Heldenmuht in ihren Strikken füh- Soll mir ein Schäferkind in meinen Sinnen Da sey der Himmel für und geh’ es nimmer
Kein’ himmlische Gestalt kein’ adeliche Sitten Kein auserlesner Glantz hat So mein Hertz be- Als diese Schäferinn; kein’ hofsche Freundlich- Hat mir solch Hertzenweh und solches Sin-
Als Diese zugefügt. Ich habe zwar geliebet Und manche keusche Lust bißweilen ausgeübet Wie alle Jugend pflegt. Nicht aber solche Und schwere Hertzensangst gefühlt wie dieses
Bißweilen fühlt’ ich wol erhitzte Liebesflammen Jm Hertzen aber nein! Sie schlugen nicht zu- Mit solcher großen Hitz’ im fall ich ihre Gluht Mit Lusten abgekühlt so war es wieder gut.
Wolan! Warüm laß ich die schöne Schäferin- Die mich so hart entzündt die mir in meinem So unaufhörlich ligt nicht holen her zu mir? Un lesche meinen Brand mit satter Lust bey ihr?
Ich habe ja die Macht ich kan es ja volbringen Nach meines Hertzenswunsch wer wil in solchen Mir doch zu wider seyn? Ein jeder schweiget Zu alle was ich thu’ ich thu’ auch was ich wil
Denn mein Volk hat mich lieb. Was ist das groß Sie ist ein’ arme Magd in meinem eignen Lande. Wer wird wol groß geschimpft? Ein stükke Verehr’ ich ihr darfür ein Beutel voller Geld
Dekkt dieses alles zu. Sie wird sich seelig schä- Wenn sie vor andern sich mit Fürsten kan erge- Wolan Fürst Huldenreich so schikk denn mor- Und büsse deine Lust mit deiner Schäferinn.
Darauf so schwieg er still und wolt’ ein wenig rü- In Meinung daß schon Raht vor seine böse Lü- Kaum aber hatt’ er sich zu ruhen ausgestrekkt Als sein unruhig Hertz ihn wieder aufgewekkt.
Wie? (sprach er) soll ein Fürst ein geiler Jung- Und Ehrenrauber seyn? Ein Schandflekk seiner Soll ich das arme Kind berauben seiner Ehr? Ach solch ein Lasterstükk geschehe nimmer-
Soll ich ein keusches Hertz zur geilen Lieb’ erwek- Soll ich ein reines Lamm mit fauler Lust beflek- Soll ich die Schäferinn die Stadt und Wol- Die Geld und Gut nicht acht mit solcher
Belästigen? Ach nein. Gott woll’ es nie verhen- Das ich die Ehr’ und Zucht mit Schandeu solte Sie ist (wie man mir sagt) des Vatters einig An die er seinen Sinn und gantzes Hertze bindt.
Soll ich den armen Mann der Freude nun berau- Solstu mein Hertz das thun? ich kan es nimmer Solch eine böse That steht keinem Fürsten an. Nicht Ehren wer’ ich wehrt Jm fal ich dieß ge-
Die Jungfern unsers Hofs die aufgeblasne Pfau- Die sonsten in gemein nach schnöder Wollust Und reitzen unsern Sinn die die sind dessen Weil sie auß geiler Brunst ihr Unglük selbst be-
Wer aber wolte doch solch armes Kind entkrän- Aus dessen Angesicht Zucht Ehr’ und Tugend Wer wolte solches thun? Sonst niemand an- Als nur ein geiler Bokk vnd loser Böse-
Sie ist hier aus der Stadt in freyes Feld ge- Sie weis von keinem Pracht’ und ausgeübten Sie ist ja wie sie scheint ein Täubchen sonder Und unbeflekktes Lamm und ich soll ihren Fall
begehren? Nicht also! solt’ ich mit losen Sinnen Und ungezäumter Lust die Schandenthat begin- So fürcht’ ich daß mich GOTT dergleichen Wie jenen David dort ließ’ unterworffen
Viel tausend Schafe sind die meine Länder zieh- Und ich soll diß allein mit fauler Lust beschmie- Nein Schafchen fürcht dich nicht dein weis- Soll unbeflekket seyn. Du solst ein’ Ehrenstell’
Erlangen neben mir. Ich würde schrekklich ster- Und keinen Segen mehr von moinem Gott erer- Wenn ich diß Lasterstükk und solche böse Ding’ An dir du keusches Hertz mit Uppigkeit be-
Hinweg verfluchte Lust und all ihr Lasterseu- Die ihr mein mattes Hertz gedänket zu erschlei- Ein edler Landesfürst der seine Leute richt Der zwingt und zäumt sich selst und thut kein
Darauflegt sich der Fürst auf seine rechte Seiten Und suchet seine Ruh die schön’ Annehmligkei- Der jungen Schäferinn die er bey ihm be- Vergönnens aber nicht; Er lieg die gantze
Und streitet mit sich selbst die heisse Liebesflammen Die flattern lichterloh und schlagen starck zusam- Die wunderbare Lteb’ erhitzet ihm das Blut Die Tugend ist bemüht zu leschen diese Gluht.
Wie! (sprach er abermal) sind das nicht Wun- Kan so ein schlechtes Werk mein Hertze ruhloß Hat denn ein bloß Gesicht solch’ unerhörte Es ist des Menschen Hertz ein rechtes Wun-
Wir Fürsten sind ja zwar wie Götter auf der Er- Wie bald kan aber doch die Lust verbittert wer- Wir schweb- und leben zwar in voller Herrlich- Bald aber nahet sich die herbe Traurigkeit
Der wir uns nicht versehn. Es kan ein klein Er- Der Menschen schwaches Hertz in grosse Drang- Doch dem sey wie ihm woll’ heut muß es noch Ich muß die Schäferinn vor meinen Augen
Die unruh volle Nacht war endlich abgewichen Matuta kam mit Lust von Osten her geschlichen. Jhm ließ Apollo selbst mit einem Freuden- Zu seinem Liebeswerk’ ein glükklichs Vorspiel
Der Fürste stehet auf rufft seine Leibtrabanten Von denen schikkt er zwen’ als heimliche Gesand- Die er vor treu erkandt’ in jenes schöne Thal In jenes nechste Dorf wo er so manches mal
Mit Lust vorbey spatzirt daß Zu ihme kommen soll mit Fryne seinem Kinde Daß er sein’ Heerde Vieh soll lassen gehn und Und ohne groß Verzug nach Hofe zu soll gehn.
Die Botschafft ist gethan der Schäfer ist gekom- Und hat sein liebstes Pfand Bozene mit nenom- Der Alte geht getrost versieht sich keiner Auch fürchtet er gar nicht ein angesponnen
Seht welch ein edel Ding ist doch ein gut Ge- Wol dem der allezeit sich dessen hat beflissen! Der jenge der gesund der frey an seinem Und am Gewissen rein besitzt das höchste Gut.
Als Fares und sein Kind zum Fürsten kam gegan- Schämt sich Bozene sehr es wurden ihre Wan- Gleich wie das rohtste Blut sie schlug die Au- Welchs unserm Huldenreich ein groß Gefal-
Er sieht mit höchster Lust ihr’ ungefälschte Tu- Die sich verschwistert hat mit ihrer zarten Ju- Der Vatter neiget sich so gut er immer kan Auf sein gut Schäferisch nicht als ein Edel-
Der Fürste fühlt aufs neu in seinem ädlen Her- Die keusche Liebesgluht mit noch viel grösren Als er zuvor gemerkt. Er bildet ihm fest ein Es könn’ in weiter Welt kein besser Mensche
Seht welch ein Wunderding! Der Fürst ist gantz Und kan den guten Mann vor Liebe kaum befra- Hier steht der schlechte Baur sein armer Unter- Der Fürste sitzt bestürtzt und sieht die Tochter
Als aber Er sein Volk hies gehen vor die Pforten Hat Er sein Hertz entdekkt mit diesen kurtzen Mein Schäfer guter Freund wilstu mir wol Die Fryne die sich itzt hier gegenwertig findt
Vertrauen daß ich mich mit ihr mag recht erge- Ich wil dich vor die Gunst in großes Reichthum Und auch dein gantz Geschlecht. Hiermit so Und wartet was der Baur vor Antwort geben
Der alte Mann der steht des Fürsten Liebesrede Kömmt ihm sehr fremde vor doch wird er auch Steht unerschrokken da vor seiner Obrikeit Fasst ihm ein Manneshertz und redet unge-
Mit Urlaub mein Herr Fürst daß ich mich was Die arme Bauermagd die schlechte Schäferinne Die itzo bey mir steht die ist mein einig Kind An die mein altes Hertz sein höchste Freude
Sie kan ja (wie ihr seht) sich höflich nicht erzei- Sie ist ein schlechtes Mensch sie weis sich nicht zu Wie ihr zu Hofe pflegt; Auf unsrer Schäfe- Wird solche Zierligkeit und solche Fantasey
(es ist wol anders nichts) mit nichten nicht ge- Dergleichen Klompelment wird sehr von uns ge- Wir machens schlecht und recht wie ihr denn Drüm dient mein Kind euch nicht die jetzo vor
Jhr habt ja in der Stadt viel hundert schöne Denselben könnt ihr ja eur Fürstenhertz ver- Wehlt da nach eurem Wunsch und wie es Und lasset mir doch nur mein’ arme Bauer-
Jmfall ihr mir sie nehmt so bringt jr meine Haare Die alt und greyse sind auf eine Todtenbahre Mein abgeschwächtes Hertz setzt ihr in große Nehmt ihr mein armes Kind so ist mein
Sie ist mein’ einge Lust mein Trost und meine Mein süsses Zeitvertreib mein Labsal in dem Sie ist es die mir Speis’ und Trank bereiten Ich bin (wo jhr sie nehmt) ein hochbetrübter
Anch über dieses noch: Sol sie zu Hofe leben Da alle Lasterstükk in großer Mänge schweben (herr Fürst verzeiht es mir) so lernt sie dieses Natur verändert sich durch täglichen Ge-
Geht man mit Leuten üm die mit viel bösen Seu- Und Lastern sind behafft bald wird man jhnen Was Sitten anbelangt Zucht Ehr’ und Verwandelt sich in Schand’ und Falschheit
Hat denn ein Bösewicht ihr bestes Pfand genom- So wird sie wiederüm zu ihrem Vater kommen Entehret ungesund hat einen faulen Leib Und wird ihr lebelang kein tüchtig Bauer-
Drüm bitt’ ich was ich kan lasst doch die Sachen Lasst doch dieß Hürtenkind des Vaters Schafe Dieß sprach der alte Mann und klagt’ ich weis Er fiel vor seinem Herrn auff seine matte
Und flehte was er kunt’ auch seine Tochter Fryne Die kniehte neben ihn die als gemahlet schiene So wol stund’ ihr das Leid. Ein milder Thrä- Giebt gnugsam zu verstehn daß sie es schmer-
Dem Fürsten weil er hört den frommen Schä- Und seine Tochter steht wil Sinn und Hertze Es jammert ihn des Manns er heist sie stille Er rühmet bey sich selbst der Fryne schönen
Der auch in Traurigkeit sich angenehm kan ma- Lieb’ ist dem Efeu gleich: Der fasset alle Sachen Und schlingt sich fest darüm was er nur üm sich Das greiffet er gewiß und sich an solchen stärkt.
Der Fürst ist eben so: sein festgepflantztes Lieben Findt Ursach hie und da dasselbig‘ aus zu üben Was er an ihr nur sieht ist alles wolgethan. Er hebt sie selber auf und fänget also an:
Nein Fares lieber Freund du wolst dein Trau- Kein andrer dieser Welt soll deine Tochter schände. Der jtzo mit dir redt ist in dein Kind verliebt Ich ich bin selbst der Mann der sich üm Sie
Darüm bedenk dich wol ich wil sie so verwaren Daß ihr kein Schimpf noch Spott noch Leid sol Bedenk bedenk was dir das Glükk für Ehr’ Was wünschest du wol mehr wenn ich dir bin
Gönn mir dein liebes Kind üm neben mir zu Du solst ein Schäfer seyn von etlich tausend Ich mache dich dafür zu einem solchen Mann Der seine Diener hält und herrlich leben kan.
Ja vor dein Bauerhaus in dem du hast gesessen Solstu mein Freund forthin auf grossen Saa- Geh sieh dich heut noch üm nim eine Land- Sie soll in kurtzer Zeit dein eigen Erbtheil sein.
Jmfall du selbst nicht wilst dein großes Glükk ver- Das ich nicht hoffen kan so nim es wol zu Hertzen. Gibst du mir nur dein Kind zu eigen in den So bleibest du ein Herr und all die Deinen
Indessen sieht der Fürst daß Fares sehr erbleichet Und auch Bozeue mit die Purpurröhte weichet Und wird zur Liljenfarb’ er sieht daß ihr Ge- In vollen Aengsten wallt er merkt daß ihr Ge-
Jhm allerdings nicht glaubt. Darauf wird er be- Und von der Fleischeslust mit Kräften abgezo- Er tritt zum Alten an verheist ihm Fried’ und Er fasst ihn bey der Hand und spricht ihm wei-
Mein Fares trau mir nur es schlagen Unglükks- Hier über meinen Hals mit voller Macht zusam- Ich sterb’ in Ewigkeit wo dem nicht also ist Was ich dir nun gesagt ich weis von keiner
Ich bin nicht so gesinnt wie mancher heute pfleget Der Zukker in dem Mund’ und Gall’ im Hertzen Ich schwere daß dein Kind bey ihrer reinen Und Tugend bleiben soll drüm sorge nur nicht
Du handelst Väterlich dein From-seyn soll dir Es soll kein’ andre Hand die edle Blume pflükken Als ich Fürst Huldenreich nnd zwar durch Ich wil daß sie forthin mein rechtes Eheweib
Dort liegt ein schönes Schloß nicht ferne von der Wo stets ein vieles Vieh auch deine Schafe wei- Da wohnt ein’ edle Fran von tugendhafftem Und treflichem Verstand’ ehmals ein’ Her-
Da wird manch edles Kind in Tugend unterwie- Die von dem Ohrte kömmt die wird sehr hoch ge- Von wegen Höfligkeit die Jungfern sind al- Kein lediger Gesell kein Mann kömmt da
Da da soll Fryne hin da wil ich schon bestellen Durch meinen Kammerherrn daß sie in allen Wol unterrichtet wird du solst mit Freuden Was in nicht langer Zeit mit Frynen wird ge-
So geh denn deinen Weg GOtt wolle dich be- Der Himmel segne dich mein Freund zu langen Fahr wol und sey gegrüsst. Dieß bringt dem Ein’ unerhörte Freud er danket was er kan.
Er nimmt die Tochter mit und geht mit freyem Mit ihr zur Stadt hinaus es wehrete nicht lange Da kam Und fügte sich zu ihm sie giengen ihren Pfad
Nach jenem Schlosse zu. Als sie dahin gekommen Giebt sich Achates an sie werden eingenommen Die alte Hertzoginn fragt was die Schäfer- Mit ihrem Vater wil es wird ihr bald gesagt
Achates leget ab was ihm der Fürst befohlen Daß nemlich dieses Mensch soll eine Zeit ver- Und unterrichtet seyn. Er bringt auch den Ge- Daß man bey diser Magd den allerbesten
Mit nichten spahren soll. Damit die zarte Ju- Wol ausgeübet werd’ in adelicher Tugend Und schöner Höflichkeit. Achates saget auch Daß man sie kleiden soll nach Fürstlichem Ge-
Daß man sie mit Geschmeid’ und Perl und Gold Daß man ihr dienen laß’ als sich es wil gebühren Bey einer Hertzoginn als einer solchen Braut Die ihm der Fürste selbst wil haben beygetraut.
Und daß man keinen Mann soll lassen zu ihr kom- Der fürstliche Befehl wird fleissig angenommen. Achates segnet sie wünscht ihnen Glükk und Und macht sich wiederüm zurükk’ in schneller
Der alte Fares sah’ und hörte diese Sachen Die ihn vor Fröligkeit fast gantz entgeistet ma- Die Thränen flossen ihm aus seinen Augen Er segnete sein Kind und füget sich nach
Bozene fänget an sich treflich zu erzeigen Sie lernet wie man soll nach ädler Ahrt sich nei- Sie lernet Höflichkeit sie lernet sittsam siehn Sie lernet wie ein Mensch soll ziehr- und ahrt-
Die alte Hertzoginn die pfleget ihr mit Sorgen Sie wäscht und badet sie sie putzt sie alle Morgen Bozene wird gesalbt mit edl- und theurem Von welchem sie bekömmt weit eine schönre
Ein ahrtliches Gewächs wenn es in wilden Auf unbetüngtem Land’ auf ungepflügten Fel- Hervor gesprossen ist mang Strauch mang Hat kein schön Ansehn nicht noch seinen rech-
Wenn aber jemand kömmt und solches Kraut In gutes fettes Land da niemand es verletzet Da es begossen wird da Frost und Sonnen Es nicht berühren kan da man es mit der
Nach seinem Willen beugt so wächst sein schöner Viel höher als vorhin es steht ohn alle Mängel Sein kraut ist frisch und schön die Blume Viel höher an der Farb’ und grösser als zuvor;
So geht es hier auch zu: Das Baurenkind Bo- Nach dem sie wol gepflegt geht an beliebter Fast allen Jungfern vor die wilde Bauerheit Ist gantz und gar verkehrt in schöne Höflichkeit.
Und weil sie dergestalt im Hause wird verschlos- Von Hitze nicht verbrandt vom Regen nicht be- Die Haut auch nicht verletzt durch rauhe Luft So scheinet sie zu sein ein Königliches Kind.
Achates unter deß reist oft zur Hertzoginnen Alleine nach dem Schloß’ und fragt mit klugen Wie ihr das Hürtenkind die Fryne doch ge- Wie sich Bozene doch im Frauenzimmer hält?
Und ob er schon vernim̃t wie weit sie sey gekom̃en Wie weit sie in der Zucht und Tugend zugenom- So wil er dennoch nicht sie bringen an den Biß ein und ander Herr ihr Wesen sehen mag.
Er kennt des Fürsten Hertz und sein erhitztes Lie- Er merket daß sein Sinn wird hin und her getrie- Und weil er über diß Bozenen Schönheit weiß Und ihre Trefligkeit so denket er mit Fleiß
Wie endlich doch einmal die Sachen anzufan- Damit des Fürsten Hertz und sehnliches Ver- Vergnüget werden mag? Er wil erst gerne Ob seine schöne Fryn’ auch Fürstlich kan be-
Der Fürste geht einmal im Zimmer auf und nie- Bald setzt er sich zum Tisch bald strekkt er seine Vor Hertzens Mattigkeit dort auf ein Faul- Und denket allezeit an seine Schäferinn:
Ob diß auch wolgethan das er ihm vorgenom̃en Daß solch ein Hürtenkind soll in sein Bette kom- Als rechtes Ehgemahl und Landesfürstinn Die Liebe saget Ja der hohe Stand sagt
Die Lieb’ ist Obermann. Er ziehet ihm zu Sinne Was dort Gedachte bey sich selbst: Steht solchs dem So wil ich als ein Mann daß Fryne Fürstinn
Die Liebe reitzet ihn daß er sich niedersetzet Uud vor die langeweil sein treues Hertz ergetzet Mit süssem Seitenspiel’ als welchs er sehr be- Wie er denn offtermals sich selbst darinnen
Er ließ zu seiner Lust und sonderlichen Ehren Der ädlen Schäferinn ein neues Stükchen hören Nahm die Violdigamm und stimmete sie rein Sang dieß verliebte Lied mit sanfter Stimme
Cookies on Poetry Cove