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1621–1681

1.

Georg Neumark

Zjon klaget aus der maßen Zion die Betrübte Die: Ach der HErr hat mich verlaßen Und vergisset meiner hiel Gott lest mich fast untersinken Und im Unglükssee ertrinken

Lest mich stekken in der Pein Und wil nicht genädig seyn. Ich kan mich der heißen Zähren Meiner Augen herben Fluht Und des Weinens nicht erwehren So ist mein gequälter Muht

Mit Betrübnüs überschwommen Daß mein Hertz mit Angst beklommen Täglich seuftzet ächtzt und schreiht: Wo bleibt Gottes Gütigkeit?

Kan ein Weib sich wol verboßen So daß Sie ihr liebes Kind Solt' im Zorne gantz verstossen Und so grimmig seyn gesinnt Daß Sie sich nicht solt' erbarmen

Und es wiederüm ümarmen Wenn es seine Händchen ringt Und Jhr Hertz mit Thränen zwingt. Wenn es liegt auf seinen Kniehen Und bekennet seine Schuld

Mein! wie kan Sie sich entziehen Daß Sie Jhm nicht werde Huld? Kan auch eine Mutter neiden Das was Sie mit schwerem Leiden

Und mit grosser Schmertzensmacht Hat aufdiese Welt gebracht. Doch gesetzt daß Jhr Geblüte So sehr unversöhnlich bleibt

Und Jhr zorniges Gemühte Solche Tyranney betreibt So wil Ich doch Deiner dänken Und Mich Gütig zu Dir lenken.

Deines Hertzens heißes Flehn Hab' Ich gnädig angesehn. Laß mein Kind von deinem Zagen Zion du Geliebte du

Hör nur auf von deinem Klagen Stell dein traurigs Hertz zur Ruh Sey geduldig meine Liebe Und dich nicht so sehr betrübe

Denn dem Kreutz und dieß dein Leid Dienet dir zur Seeligkeit. Sey versichert meiner Gnaden Traue meiner großen Macht

Denn Ich seh' all deinen Schaden Ich bin schon darauf bedacht Daß Ich werd' ein Mittel finden Dich deß Drangsals zu entbinden.

Den du bist mein werthes Pfand Eingeschrieben meiner Hand.

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