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1621–1681

1.

Georg Neumark

Ach Hertzeleid! Dieweil die Zeit Nicht einmal wil vergönnen Daßich bey dir

Mein’ ädle Mag eine Gunst gewinnen. So laß ich meine Herde Vieh Jm Wald’ alleine weiden

Und bin betrübet je und je Ich leb’ in stetem Es ist mir lauter Hertzverdruß Daß ich die Sonne schauen muß.

Der schönste Wald Ist ungestalt Der Ich dänk’ allzeit

Auf Bald setz’ ich mich danieder Und klage meine Liebesnoht Mit bittren heissen

Bald wünsch’ ich mir den herben Mit einem tieffen Ich geh’ ich sitz’ ich schlaff’ und wach Ich lebe doch in Weh und Ach.

Und dieß geschicht Mein liebstes Weil ich dir nicht kan sagen Was grossen Schmertz

Mein treues Hertz bißhero hat getragen Weil ich betrübt-verliebter Mann Dir schönsten

Mein Hertze nicht entdekken kan Und meinen treuen Willen Dieß dieß macht mir bey dieser Ein immerwerend Hertzeleid.

Wenn ich dich seh’ Jm grünen Dein Wollen viehchen treiben So kan ich kaum

Jm weiten Raum’ Auf meinen Wiesen bleiben Ich jage meine Schafe fort Zu deinen fetten Gründen

Erdenk' im treiben manches Wort Welchs deinen Sinn soll binden. So bald ich aber bey dir bin Ist alle Rednerkunst dahin.

Ich werde taub Zittr' als ein Laub Die Rede wil nicht fliessen Es möchte sich

Bald mildiglich Der Augenstrohm ergiessen; Dein Reden schönste Schäferinn Und dein so süsses Lachen Die Poetisch- und Musikalisches Lust-

Die können Bald fesselfeste machen. Doch treuer Liebe Hertzenskrafft Hat allzeit solch ein’

Ach wenn doch mir Das wiederführ Dein’ Händchen nur zu küssen So wolt’ ich das

Mit Thränen naß Schon zu befeuchten wissen. Dann wolt' ich gerne stille seyn Und mich nicht so beklagen

Weil dir ein Seuftzer meine Pein Genugsam würde sagen. Wie aber dieses mag geschehn Kan ich zur Zeit auch nicht ersehn.

Darüm nim hin Du Menschgöttinn Mein keusches Augenblikken Da wirstu sehn

Und bald verstehn was mich vor Schmertzen drükken Laß dires seyn an Schreibensstatt Da kanstu satsam lesen

Was mein Hertz vor Betrübnüß hat Und was mein Liebeswesen. Mein’ Augen geben an den Was mich im Hertzen quälen mag.

Wirstu denn nicht Mein Tugendlicht Mein treues Hertze merken Und mich fortan

Betrübten Mit Gegenliebe stärken So wird die heisse Mich innerlich verzehren

Und meiner Thränen milde Fluht Mir meinen Tod gebähren Ein finstrer Wald voll Klipp- und Stein Wird meine wüste Wohnung seyn.

Wann dann der Und meine Noht Mich hingerichtet haben So wird man sehn

Geschrieben stehn Da wo ich bin begraben: Hier liegt an dieser öden Still' Ein Schäfer ädler Sinnen

Den seine liebste Karitill Nicht wolte liebgewinnen. Sein heimlichs Leid hat ihn gestürtzt Und ihm das Leben abgekürtzt.

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