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1621–1681

1.

Georg Neumark

Sein Thyrsis der itzund hier bey der Weisset wohnet Der sich nicht selbst so sehr als dich sein Kind geliebt Wird noch nicht von der Angst der Liebeslast verschonet Lebt offtmals wegen dein von Hertzen hochbetrübt.

Er dänket Tag und Nacht an jene süsse Stunden Wie Er vor sieben Jahr sich offt zu dir gefunden Wie du Jhn und Er Dich in keuscher Gunst gehertzt. Er dänket Tag und Nacht an deine Heldenaugen

An deinen Zukkermund an deine Marmolbrust An deine Höfligkeit drüm wil ihm nichtes taugen Das andre Jungfer Volk ist ihm nur lauter Wust. Wie dieß sein Paradieß o Göttinn vor gewesen

So ist dein Absein itzt ihm lauter Helt’ und Pein Und wird auch ehe nicht von dieser Brunst genesen Er werde denn zuvor vermodert müssen sein. Was sag’ ich kan der Tod wol solche Liebe tödten

Die nach dem Tod’ erst recht als lebhafft reden kan? Nein dieser Versche krafft wird ihn mit Scham beröhten! Daß Er die Gunst nicht nur auf Lebenszeit gewann. Ob Er schon Sterblicher dich Sterbliche geliebet! (spührt.

So wird nichts Sterblichs doch an beyder Treü ver- Wenn Lieb’ und Gegenlieb’ auf Ernst wird ausgeübet Wird Sie durch keinen Mord des Todes angerührt. Kein Frauenzimmer solt so weit beruffen werden

Als Karitillchen du du edler Tugendschein! Du solst weit höher stehn als dieser Ball der Erden Der Himmel selbst wird auch vor dich zu niedrig sein, Weich Römsche Lupia bistu schon hochgeehret

Mein Karitilchen soll doch über dir nun stehn Jhr Griechschen Jungfern auch seit immerhin gelehret Mein trautster Hertzenstrost soll euch all’ übergehn. Er setzet dich sein Hertz dich liebste Karitillen

Dort jener Fillis vor dort jener Galathe Dort jener Leßbien dort jener Amarillen Dort jener Bellisell’ auch jener Argine! In dessen weil Er nichts von dir itzt kan genießen

Als daß du seiner wollst imgleichen eindenk sein So pflegt Er deinen Ring vor deinen Mund zu küssen Und taucht ihn wenn Er trinkt gar oft im Becher ein. Dein liebstes Ebenbild das liebe Liebeszeichen

Trägt Er auf seiner Brust und nimmt ein Merkmahl dran Dann geht es dir nicht wohl so wird es bald verbleichen Ists gut so gläntzt das Gold und zeigts dem Hertzen an.

Was nun sein Zeitvertreib wilstu vielleichte wissen Des Morgens ists ein Buch Ein Gang nach Mittags- zeit Hier vor die Stadt hinaus da Er dann ist beflissen

Auf lauter Hertzenweh auf lauter Traurigkeit. Bald schaut Er den Rubin bald sieht Er auf das prangen Des schönen Demandrings bald auf das Armenband So Er von dir mein Kind zum Denkmahl hat empfange

Zum Zeichen deiner Gunst zum treuen Liebespfand. Und daß Er überal ja dein Gedächtnüß finde Hat Er ein Strömchen hier nach dir mein Kind genant Das rauschet Tag und Nacht durch seine tieffe Gründe

Bey welchem nur auf dich sein gantzer Sinn gewandt. Da geht Er offtmals hin und setzet sich danieder Und fängt zu klagen an in tieffer Traurigkeit Dann singt Er bey sich selbst der Liebe Klagelieder

Die Er von dir gemacht vor jener langen Zeit. Auch dieß ist nicht genug die jung- und alten Eichen So ihren Unterhalt von diesem Ströhmchen ziehn Die tragen eingeschnitzt des halben Mondes Zeichen

So wächst dein Nahme mit und kan doch nicht verblühn. Dieß alles hat Er dir mein Seelchen zugeschrieben Damit du sehen solst wie hoch Er dich geschätzt Und wie Er itzund noch so standhafft sey im Lieben

Wird Er schon nicht wie vor mit Gegenwart ergetzt. Es sind schon sieben Jahr daß Absckied Er genommen Von dir aus Zimrien o edle Königinn Run hoffe Er wiederüm zu dir mein Hertz zu kommen

Gott gebe frische Krafft und stärke meinen Sinn. In dessen leb erfreut leb tausendmal vergnüget Du Liebster Augentrost du edles Sinnenlicht Biß sich das liebe Glükk des treuen Thyrsis füget

Biß Er mit höchster Lust dich Liebste selber spricht.

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