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1697

Er liebet ohne hoffnung

Benjamin Neukirch

Was denckt ihr doch ihr kühnen sinnen? Ihr geht auff allzuhoher bahn; Denn euer frevelndes beginnen Will weiter als es steigen kan;

Weil ihr dasselbe lieben wollet Was ihr doch nur anbeten sollet. Die gantze welt steht euch ja offen Und steckt nicht voll unmöglichkeit.

Warum liebt ihr denn sonder hoffen Was euch die liebe doch verbeut. Wo furcht und noth gesetze schreiben Muß lieb und lust zurücke bleiben.

Jedoch ich weiß nicht was ich sage Ich will nicht was ich wollen soll. Darum erwehl ich nur die plage Und such im finstern meinen pol;

Vielleicht kan wie die nesseln bienen So mir der schmertz zu honig dienen. Hab ich nicht hoffnung das zu kriegen Was mich mit flammen überstreut;

So qvillet dennoch mein vergnügen Auch noch aus der unmöglichkeit; Denn darff ich gleich die glut nicht nennen Will ich doch in gedancken brennen.

Und also lieb ich mein verderben Und heg ein feur in meiner brust An dem ich noch zuletzt muß sterben. Mein untergang ist mir bewust:

Das macht: ich habe lieben wollen Was ich doch nur anbeten sollen.

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