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1697

An den Asinius

Benjamin Neukirch

Ich habe vielmahl schon im hertzen nachgedacht Was doch die kluge welt auff diese thorheit bracht Daß da die schulen noch voll rechter leute leben Sie dir Asinius den doctor-hut gegeben.

Du bist kein weiser nicht: denn sonsten thätest du Diß andern was du wilst daß man dir selber thu: Du würdest deine frau nicht wie der teuffel plagen Und wie ein lumpenhund dich mit den mägden schlagen.

Du bist kein weltmann nicht; dieweil du nicht verstehst Warum du deiner frau zur lincken seiten gehst: Das heist: du solst dein weib nicht treiben sonder führen Und sie mit höfligkeit nicht mit gewalt regieren.

Du bist kein medicus sonst nähmst du in der pein Ein treibendes clistir vor deine würmer ein. So hast du auch nicht viel in Gottes wort vergessen Sonst würdest du dein thun nach dem gewissen messen.

Du bist auch kein jurist denn wer das recht erklärt Der weiß wohl daß das weib nicht einen mann ernehrt Und daß wenn eine frau im hause soll befehlen Man ihr die krüge nicht muß aus der kammer stehlen.

Was hencker bistu denn? Ein narr der nichts gelernt Ein flegel der nur drischt was andre eingeerndt. Und gleichwohl bist du doch ein grosser doctor worden? O mein Asinius man kommt nicht in den orden

Wo man bey dieser zeit nicht künste mit sich bringt Und wenn die kunst gebricht von grosser zahlung singt. Wie geht es dann nun zu? das geld hat dich erhoben Das geld das dir wie koth offt in der hand verstoben:

Das deines vaters fleiß mit grosser müh gehegt Und du schon eh er starb mit schanden angelegt. Drum fiengst du nach der zeit dich endlich an zu grämen Und dachtst ich muß mir nur ein liebes weibgen nehmen

Die weil ich armer schelm in büchern nichts gethan Und alles geld verzehrt mich noch erhalten kan. Das glücke war dir hold du wurdest angenommen Dein titel hat ein weib nicht aber du bekommen:

Nun hastu was du wilst du lebst wie dirs gefällt Die frau ernehret dich ihr vater schafft dir geld; Die braten müssen dir fast in die gurgel fliegen Du kanst den gantzen tag im bette schnarchen liegen

Und hast kein trübsal als daß diese die dich fretzt Sich täglich wenn du speist mit dir zu tische setzt. Das aber ärgert dich: Dann du bist wie die raben Du schaffst nichts in das hauß doch wilstu fressen haben.

Und was ein ander schafft das soll für dich allein Und nicht als wenn du wilst für deinen nechsten seyn. Die frau soll wenn sie dir den rachen voll läst schütten Dich dennoch schöner wirth um ieden groschen bitten

Und sagen: Lieber mann ich weiß wohl daß das geld Dir aus der tasche nicht wie pregel-erbsen fällt: Ich weiß daß du es schwer und sauer must erwerben; Allein erbarme dich laß meine strümpffe färben

Und schicke meine schuh doch zu dem schuster hin So seh ich daß ich noch dein liebes weibgen bin. O grober eselskopff! ist das nicht zu beklagen Daß ein so schönes weib muß deine narrheit tragen.

Du bist mehr katz und aff als einem menschen gleich Die lippen hengen dir die wangen werden bleich Das kinn ist zugespitzt gleich wie die bauer-hütte Die nase kömmt mir vor wie eine kramer-tütte

In welche man ein pfund rosinen schütten kan: Dein gang ist abgeschmackt und iedes wort zeigt an Daß du ein garstig thier in deinem busen trägest: Und dannoch brummest du wenn du dich schlaffen legest;

Du brummest wenn du wachst; du brummest wenn du stehst; Du brummest wenn du frist; du brummest wenn du gehst; Und suchest deiner frau stets tadel auszusetzen Die dennoch alle welt nur dich nicht kan ergetzen;

Und die von hinten zu weit schöner läst und scheint Als du wenn du dich gleich zu zieren hast gemeynt Und in dem garten gehst mit deinem degen stutzen. Ach schade daß dir nicht der tod den bart soll putzen!

Ach schade daß dein weib so treu und ehrlich ist Und daß du armer schelm nicht längst ein hahnrey bist! Wie artig würde dir doch das geweihe stehen? Jedoch was laß ich dich hier deine thorheit sehen?

Du bleibest wer du bist und unsers nachbars hund Wird seinen rüssel eh in einen jungfer-mund Und sein gekraußtes haar in seid' und gold verkehren Eh dein erstarrter kopff wird seinen wurm verzehren.

Was aber habt ihr doch ihr Musen nur gedacht Als ihr ein solches thier zum doctor habt gemacht Ach hört doch einmahl auff der erden vorzulügen; Sonst wird kein ehrlich kerl ein schönes weib mehr kriegen.

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