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1804–1875

Unser Friz.

Eduard Mörike

Wollt' ein Meislein fangen, Doch weil ihm denselben Tag Keines drein gegangen, Wird dem Friz zu lang die Zeit,

Denkt: ich hab' umsonst gestreut, Will ja keine kommen. Nach acht Tagen fällt ihm ein, Im Garten zu spazieren:

Es ist schöner Sonnenschein, Man kann nicht erfrieren; Und am alten Apfelbaum Kommt's ihm plötzlich wie im Traum:

Ob der Schlag gefallen? „ja! es sizt ein Vogel drinn! Aber, weh! o wehe! Das ist trauriger Gewinn:

Todt, so viel ich sehe! — Aber was kann ich dafür? Sicher hat das dumme Thier Sich zu todt gefressen!“

So tröst't sich dein Mörder wohl, Der dich hungern lassen, Aber ich vor Leid und Groll Weiß mich nicht zu fassen!

Hast alle Bröslein aufgepickt, Hast dann vergebens umgeblickt, Wo noch ein Körnlein wäre! Ihr andern Vöglein allesammt,

Wohl unterm blauen Himmel! Ihr habt mit Wehgesang verdammt Den Vogelsteller-Lümmel. Ach, Eines starb so balde, bald!

Eben da in Feld und Wald Der Frühling wollte kommen.

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