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1804–1875

Tag und Nacht.

Eduard Mörike

Schlank und schön ein Mohrenknabe Bringt in himmelblauer Schürze Manche wundersame Gabe, Kühlen Duft und süße Würze.

Wenn die Abendlüfte wehen, Naht er sachte, kaum gesehen, Hat ein Harfenspiel zur Hand. Auch der Saiten sanftes Tönen

Kann man nächtlich lauschend hören; Doch scheint Alles seiner Schönen, Ungetreuen zu gehören. Und er wandelt, bis am Haine,

Bis am See und Wiesenraine Er die Spur der Liebsten fand. Wohl ein Lächeln mag sich leise Dann ins ernste Antlitz neigen,

Weiße Zähne, schneeig-weiße, Sich wie Sternenlichter zeigen. Doch ihn faßt ein reizend Bangen, Kommt von Ferne Sie gegangen,

Und er sucht sein dunkel Haus. Liebchen tritt von Bergeshöhen In das Thal: da wird es Freude! Wald und Flur wie neu erstehen

Vor dem Kind im Rosenkleide; Alles drängt sich nach der Süßen, Alt und Jung will sie begrüßen, Nur der Knabe bleibet aus.

Und doch ist ein tiefes Ahnen Von dem Fremdling ihr geblieben; Wie ein Traum will sie's gemahnen An ein früh gehegtes Lieben.

Glänzen dann auf allen Wegen Schmuck und Perlen ihr entgegen, Denkt sie wohl, wer es gebracht. Schnell den Schleier vorgezogen,

Steht das Töchterchen in Thränen, Und der Mutter Friedensbogen Neigt sich thauend ihrem Sehnen; Erd' und Himmel haben Frieden,

Aber ach, Sind getrennt, wie

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