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1804–1875

Suschens Vogel.

Eduard Mörike

Ich hatt' ein Vöglein, ach wie fein! Kein schöners mag wohl nimmer seyn: Hätt' auf der Brust ein Herzlein roth, Und sung und sung sich schier zu todt.

Herzvogel mein, so wunderschön, Jezt sollt du mit zu Markte gehn! — Und da ich durch das Städtlein kam, Es saß auf meiner Achsel zahm;

Und als ich ging am Haus vorbei Des Knaben, dem ich brach die Treu, Der Knab' just aus dem Fenster sah, Mit seinem Finger schnalzt er da:

Wie horchet gleich mein Vogel auf! Zum Knaben fliegt er husch! hinauf; Der koset ihn so lieb und hold, Ich wußt nicht, was ich machen sollt,

Und stund, im Herzen so erschreckt, Mit Händen mein Gesichte deckt', Und schlich davon und weinet' sehr, Mir war, als rief' es hinterher:

„du falsche Maid, behüt' dich Gott, Ich hab' doch wieder mein Herzlein roth!“

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