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1804–1875

Schön-Rohtraut.

Eduard Mörike

Rohtraut, Schön-Rohtraut. Was thut sie denn den ganzen Tag, Da sie wohl nicht spinnen und nähen mag? Thut fischen und jagen.

O daß ich doch ihr Jäger wär'! Fischen und jagen freute mich sehr. — Schweig' stille, mein Herze! Und über eine kleine Weil',

Rohtraut, Schön-Rohtraut, So dient der Knab' auf Ringangs Schloß In Jägertracht und hat ein Roß, Mit Rohtraut zu jagen.

O daß ich doch ein Königssohn wär'! Rohtraut, Schön-Rohtraut lieb' ich so sehr. — Schweig' stille, mein Herze! Einsmals sie ruhten am Eichenbaum,

Da lacht Schön-Rohtraut: Was siehst mich an so wunniglich? Wenn du das Herz hast, küsse mich! Ach! erschrak der Knabe!

Doch denket er: mir ist's vergunnt, Und küsset Schön-Rohtraut auf den Mund. — Schweig' stille, mein Herze! Darauf sie ritten schweigend heim,

Rohtraut, Schön-Rohtraut; Es jauchzt der Knab' in seinem Sinn: Und würd'st du heute Kaiserin, Mich sollt's nicht kränken:

Ihr tausend Blätter im Walde wißt, Ich hab' Schön-Rohtrauts Mund geküßt! — Schweig' stille, mein Herze!

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