Ich wollte gar zu gern für Dich
Ein herzig Blümelein wo finden,
Und lief und suchte emsiglich.
Ach, nirgend sah ich eines stehen,
Da fing ich laut zu weinen an:
„den Frühling hab' ich kaum gesehen,
Und kommt der Winter schon heran!“
So lief ich fort und fort mit Trauern,
Erst bei dem letzten Abendschein
Hielt ich vor heil'gen Kirchenmauern,
Das Thor stand auf, ich trat hinein
Und kam in einen stillen Garten
Und vor ein frisch bereites Grab,
Dran sah ich einen Engel warten,
Gelehnt auf einen Hirtenstab.
Der schaut mich traurig an und bange
Und nickt und winket mich herbei;
Mir war, als kennt' ich ihn schon lange
An seinen Augen fromm und treu.
Er winkt, und aus des Grabes Schoose
Steigt blühend, wie der Schnee so rein,
Hervor die weiße Todtenrose
Und neiget sich im Mondenschein.
Begierig schnell will ich sie pflücken,
Doch mir versagt die kleine Hand,
Indeß mit freudehellen Blicken
Ein zweiter Engel vor mir stand.
Er zog mich sachte weg zur Pforte
Und sprach: „Du gutes, krankes Kind,
O laß die Rosen hier am Orte,
Die bleich wie deine Wangen sind!
Auf's Neue sollst du fröhlich springen,
Ihr Wänglein blühet frisch und roth!
Das dir dein guter Engel bot.“