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1841

Meiner Schwester

Eduard Mörike

„Blättchen, das im losen Spiel Winde durch die Lüfte tragen, Blättchen, kannst du mir nicht sagen, Wo ist deiner Wandrung Ziel?“

Ach ich weiß ein frommes Kind, Dem möcht ich mich gern verbinden, Und kann doch den Weg nicht finden, So verstürmte mich der Wind.

Als ich aus der Knospe mich Vor den Veilchen, früh, gerungen, Kam das Liebchen oft gesungen Durch den Garten morgendlich.

Aber da sich, glatt und schön, Tät mein grünes Herzlein dehnen, Sah ich sie in bittern Tränen Unter unsern Zweigen stehn.

Und dort drüben überm Hag, Steht das Röslein, steht die Weide, Dahin wallte sie in Leide Mir vorüber jeden Tag.

Freut' auch mich nichts weiter mehr, Nicht die süße Maiensonne, Bienenton und Schaukelwonne, Keine kühle Mondnacht mehr.

Also welkt ich vor der Zeit, Bin, bevor der Herbst gekommen, Aus der Mutter Hut genommen Und von der Geliebten weit.

Dürft ich zu ihr, ach wieviel Sagt ich ihr von Lust und Schmerzen! Und an dem getreusten Herzen Fänd ich meiner Wandrung Ziel.

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