Vor dem Granatbaum sinnend still;
Mir war, als müßt' ich gleich erwarten,
Ob er die Knospe sprengen will.
Sie aber schien es nicht zu wissen,
Wie mächtig ihr die Fülle schwoll,
Und daß sie in den Feuerküssen
Des goldnen Tages brennen soll.
Und dort am Rasen lag Jorinde;
Wie schnell bin ich zum Gruß bereit,
Indeß sie sich nur erst geschwinde
Den Schlummer aus den Augen streut!
Dann leuchtet dieser Augen Schwärze
Mich an in Lieb' und guter Ruh,
Sie hört dem Muthwill meiner Scherze
Mit kindischem Verwundern zu.
Dazwischen dacht' ich wohl im Stillen:
Du gut und unerfahren Kind!
Die Lippen, die von Reife quillen,
Wie blöde noch und fromm gesinnt!
Fürwahr, sie schien es nicht zu wissen,
Wie mächtig ihr die Fülle schwoll,
Und daß sie in den Feuerküssen
Des wildsten Knaben brennen soll.
Still überlegt' ich auf und nieder,
Und ging so meiner Wege fort,
Doch schon der nächste Morgen wieder
Fand mich an dem Granatbaum dort.
Wer hat dem Baum in wenig Stunden
Ein solches Wunder angethan?
Die Flammenkrone aufgebunden?
Und was sagt mir dies Zeichen an?
Ich eile rasch den Gang hinunter,
Dort geht das Kind im Morgenstrahl,
Und bald, o Wunder über Wunder!
Wir küßten uns zum ersten Mal!
Nun trieb der Baum wohl Blüth' auf Blüthe
Frisch in die blaue Luft hinaus,
Und noch, seitdem er lang verglühte,
Ging uns das Küssen nimmer aus.