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1804–1875

IiI.

Eduard Mörike

Ein Irrsal kam in die Mondscheingärten Einer einst heiligen Liebe. Schaudernd entdeckt' ich verjährten Betrug. Und mit weinendem Blick, doch grausam,

Hieß ich das schlanke, Zauberhafte Mädchen Ferne gehen von mir. Ach, ihre hohe Stirn,

Drin ein schöner, sündhafter Wahnsinn Aus dem dunkelen Auge blickte, War gesenkt, denn sie liebte mich; Aber sie zog mit Schweigen

Fort in die graue, Stille Welt hinaus. Von der Zeit an Kamen mir Träume voll schöner Trübe,

Wie gesponnen auf Nebelgrund; Wußte nimmer, wie mir geschah, War nur schmachtend seliger Krankheit voll. Oft in den Träumen zog sich ein Vorhang

Finster und groß in's Unendliche Zwischen mich und die dunkle Welt; Hinter ihm ahnt' ich ein Haideland, Hinter ihm hört' ich's wie Nachtwind sausen;

Auch die Falten des Vorhangs Fingen bald an, sich im Sturme zu regen: Gleich einer Ahnung strich er dahinten, Ruhig blieb ich und bange doch:

Immer leiser wurde der Haidesturm — Siehe! da kam's. Aus einer Spalte des Vorhangs guckte Plötzlich der Kopf des Zaubermädchens,

Lieblich war er und doch so beängstend. Sollt' ich die Hand ihr nicht geben In ihre liebe Hand? Bat denn ihr Auge nicht,

Sagend: da bin ich wieder Hergekommen aus weiter Welt?

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