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1804–1875

Ii.

Eduard Mörike

Aufgeschmückt ist der Freudensaal. Lichterhell, bunt, in laulicher Sommernacht Stehet das offene Gartengezelte; Säulengleich steigen,

Reichlich durchwirket mit Laubwerk, Die stolzen Leiber Sechs gezähmter, riesiger Schlangen, Tragend und stützend das

Leichtgegitterte Dach. Aber die Braut noch wartet bescheiden In dem Kämmerlein ihres Hauses; Endlich bewegt sich der Zug der Hochzeit,

Fackeln tragend, Feierlich stumm. Und in der Mitte, Mich an der rechten Hand,

Schwarzgekleidet geht einfach die Braut, Schöngefaltet ein Scharlachtuch Liegt um den zierlichen Kopf geschlagen; Lächelnd geht sie dahin;

Das Mahl schon duftet. Später im Lärmen des Fests Stahlen wir seitwärts uns Beide Weg, nach den Schatten des Gartens wandelnd,

Wo im Gebüsche die Rosen brannten, Wo der Mondstrahl um Lilien zuckte, Wo die Bäume vom Nachtthau troffen. Und nun strich sie mir, stillestehend,

Seltsamen Blicks mit dem Finger die Schläfe, Jählings versank ich in tiefen Schlummer, Aber gestärkt vom Wunderschlafe Bin ich erwacht zu glückseligen Tagen,

Führte die seltsame Braut in mein Haus ein.

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