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1804–1875

I.

Eduard Mörike

Weil schon vor so viel hundert Jahren, Da unsre Väter noch Heiden waren, Unser geliebtes Schwabenland So lustig wie ein Garten stand,

So sah der Teufel auch einmal Vom Michelsberg in's Maienthal Und auf das weit bebaute Feld. Er sprach: das ist ja wohlbestellt;

Hier blüht, wie einst im Paradies, Der Apfelbaum und schmeckt so süß! Wir wollen dieses Gartens pflegen, Und soll sich erst kein Pfaff drein legen!

— Solch Frevelwort des Satans hört Der Herr im Himmel ungestört, War aber gar nicht sehr ergezt, Daß sich der Bock zum Gärtner sezt.

Er sandte Bonifazium Damals im deutschen Reich herum, Daß er, des heiligen Geistes voll, Den himmlischen Weinstock pflanzen soll;

So rückt er nun auch zum Michelsberg. Das kam dem Satan überzwerch, Thät ihm sogleich den Weg verrennen, Ließ den Boden wie Schwefel brennen,

Hüllet mit Dampf und Wetterschein Das ganze Revier höchst grausam ein, Geht selber auf den Heiligen los, Der stand aller irdischen Waffen bloß,

Die Hände sein zum Himmel kehrt, Rief: Starker Gott! leih mir ein Schwert! Da zückt herab, wie ein Donnerstreich, Erzengel Michael sogleich.

Sein Flügel und sein Fußtritt dämpft Das Feuer schnell, er ficht und kämpft Und würgt den Schwarzen blau und grün, Der hätte schier nach Gott geschrien;

Schmeißt ihn der Engel auch alsbald Kopfunter in den Höllenspalt, Schließt sich der Boden eilend zu, Da war's auf Erden wieder Ruh,

Die Lüfte flossen leicht und rein, Der Engel sah wie Sonnenschein. Unser heiliger bedankt sich sehr, Möcht' aber noch ein Wörtlein mehr

Mit dem Patronen gern verkehren, Deß wollte Jener sich erwehren, Sprach: Jetzo hab' ich keine Zeit. Da ging Herr Bonifaz so weit,

Daß er ihn faßt an seiner Schwingen, Der Engel ließ sich doch nicht zwingen, War wie ein Morgenrauch entschlüpft. Der Mann Gottes stund sehr verblüfft.

Ihm war, wie er mit dem Erzengel rang, Eine Feder, gülden, schön und lang Aus dem Fittig in der Hand geblieben. Jezt thät er sie schnell in Mantel schieben,

Ging eine Strecke fort und sann: Was fang ich mit der Feder an? Nun aber auf des Berges Rand Ein kleiner Heidentempel stand,

Noch in der lezten Römerzeit Luna, der Mondsgöttin, geweiht Von Trephon, dem Feldhauptmann. Da nahm Bonifaz ein Aergerniß dran,

Ließ also das Bethaus gleich fegen und lichten, Zur christlichen Kapell herrichten Und weihte sie auch auf der Stell' Dem theuren Erzengel Michael.

Sein Bild, über'n Altar gestellt, Mit der rechten Hand die Feder hält, Die denn bei mancher Pilgerfahrt, Noch bis heute, hochverehret ward.

Zu guter Lezt ich melden will: Da bei dem Berg liegt auch Tripstrill, Wo, wie ihr ohne Zweifel wißt, Die berühmte Pelzmühl' ist.

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