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1804–1875

Die Geister am Mummelsee.

Eduard Mörike

Vom Berge, was kommt dort um Mitternacht spät Mit Fackeln so prächtig herunter? Ob das wohl zum Tanze, zum Feste noch geht? Mir klingen die Lieder so munter.

O nein! So sage, was mag es wohl seyn? Das, was du da siehest, ist Todtengeleit, Und was du da hörest, sind Klagen,

Dem König, dem Zauberer, gilt es zu Leid, Und Geister nur sind's, die ihn tragen. Ach wohl! Sie singen so traurig und hohl.

Sie schweben hernieder ins Mummelseethal, Sie haben den See schon betreten, Sie rühren und netzen den Fuß nicht einmal, Sie schwirren in leisen Gebeten:

O schau, Am Sarge die glänzende Frau! Jezt öffnet der See das grünspiegelnde Thor; Gib Acht, nun tauchen sie nieder!

Es schwankt eine lebende Treppe hervor, Und — drunten schon summen die Lieder. Hörst du? Sie singen ihn unten zur Ruh.

Die Wasser, wie lieblich sie brennen und glühn! Sie spielen in grünendem Feuer; Es geisten die Nebel am Ufer dahin, Zum Meere verzieht sich der Weiher.

Nur still: Ob dort sich nichts rühren will? Es zuckt in der Mitten — o Himmel! ach hilf! Ich glaube, sie nahen, sie kommen!

Es orgelt im Rohr und es klirret im Schilf; Nur hurtig, die Flucht nur genommen! Davon! Sie wittern, sie haschen mich schon!

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