Skip to content
1837

Der Knabe und das Immlein

Eduard Mörike

Im Weinberg auf der Höhe Ein Häuslein steht so windebang; Hat weder Tür noch Fenster, Die Weile wird ihm lang.

Und ist der Tag so schwüle, Sind all verstummt die Vögelein, Summt an der Sonnenblume Ein Immlein ganz allein.

Mein Lieb hat einen Garten, Da steht ein hübsches Immenhaus: Kommst du daher geflogen? Schickt sie dich nach mir aus?

„O nein, du feiner Knabe, Es hieß mich niemand Boten gehn; Dies Kind weiß nichts von Lieben, Hat dich noch kaum gesehn.

Was wüßten auch die Mädchen, Wenn sie kaum aus der Schule sind! Dein herzallerliebstes Schätzchen Ist noch ein Mutterkind.

Ich bring ihm Wachs und Honig; Ade! – ich hab ein ganzes Pfund; Wie wird das Schätzchen lachen, Ihm wässert schon der Mund.“

Ach, wolltest du ihr sagen, Ich wüßte, was viel süßer ist: Nichts Lieblichers auf Erden Als wenn man herzt und küßt!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Der Knabe und das Immlein · Eduard Mörike · Poetry Cove