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1853

Der Frau Generalin v. Varnbüler

Eduard Mörike

Das edle, das geliebte Angesicht Nun wiedersehend, ach, wie fang ich's an, In Worte würdig unseren Willkomm Zu fassen, bei des Herzens Ungestüm?

Dieselbige, wie wir dich immer kannten, Kamst du zurück, dein gütig Auge sagt's, Der Liebe aber ist's, der Ehrfurcht eigen, Daß sie, nach kurzem Fernesein, befangen,

Verwirrt vor ihrem Gegenstande steht, Gleich als vor einem ungewohnten Gast, Wenn uns sein stiller Blick mit Lächeln prüft. Dieselbe, ja du bist es, teure Mutter!

Nur trägt dein Antlitz, o wie hell, die Spur Der Heiligen, die dich berührt! Umsonst Nicht fleht man ihr; sie wirft dem Wagenden Aus eisiger Nacht die tauende Rose zu.

Wir waren oft bei dir, du glaubst es kaum, Leibhaftig eben nicht; doch wenn du pflegtest, Im Tannenschatten auf das Moos gebettet, Balsamische Luft zu atmen, zweimal täglich,

Elise dir zur Seite mit viel andern, Da kamen wir, zu leichten Traumgestalten Verkleinert, schlüpften durch die hohen Äste Mit jenen runden Lichtern leis herab,

Die deines Kleides Saum und Hand und Schultern Zudringlich küßten. Kanntest du sie nicht? – Wenn nun die ganze Schar in einen Rahmen Gefangen, eins am andern, dicht gedrängt,

Sich wieder zeigte – ob du sie wohl kennst?

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