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1804–1875

Charwoche.

Eduard Mörike

Du stimmst so ernst zu dieser Frühlingswonne, Du breitest im verjüngten Strahl der Sonne Des Kreuzes Schatten auf die lichte Erde, Und senkest schweigend deine Flöre nieder:

Der Frühling darf indessen immer keimen, Das Veilchen duftet unter Blüthenbäumen Und alle Vöglein singen Jubellieder. O schweigt, ihr Vöglein auf den grünen Auen!

Es schallen rings die dumpfen Glockenklänge, Die Engel singen leise Grabgesänge: O still, ihr Vöglein hoch im Himmelblauen! Ihr Veilchen, kränzt heut keine Lockenhaare!

Euch pflückt mein frommes Kind zum dunkeln Strauße, Ihr wandert mit zum Muttergotteshause, Da sollt ihr welken auf des Herrn Altare. Ach dort, von Trauermelodieen trunken

Und süß betäubt von schweren Weihrauchdüften, Sucht sie den Bräutigam in Todesgrüften: Und Lieb' und Frühling, Alles ist versunken!

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