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1804–1875

Besuch in Urach.

Eduard Mörike

Daß ich in dies geliebte Thal verirrt; Kein Wunder ist, was meine Augen sehen, Doch schwankt der Boden, Luft und Staude schwirrt, Aus tausend grünen Spiegeln scheint zu gehen

Vergang'ne Zeit, die lächelnd mich verwirrt, Die Wahrheit selber wird hier zum Gedichte, Mein eigen Bild ein fremd und hold Gesichte! Da seyd ihr alle wieder aufgerichtet,

Besonnte Felsen, alte Wolkenstühle! Auf Wäldern schwer, wo kaum der Mittag lichtet Und Schatten mischt mit balsamreicher Schwüle; Kennt ihr mich noch, der sonst hieher geflüchtet,

Im Moose bei süß-schläferndem Gefühle, Der Mücke Sumsen hier ein Ohr geliehen, Ach, kennt ihr mich, und wollt nicht vor mir fliehen? Hier wird ein Strauch, ein jeder Halm zur Schlinge,

Die mich in liebliche Betrachtung fängt, Kein Mäuerchen, kein Holz ist so geringe, Daß nicht mein Blick voll Wehmuth an ihm hängt; Ein jedes spricht mir halbvergeßne Dinge,

Ich fühle, wie von Schmerz und Lust gedrängt Die Thräne stockt, indeß ich ohne Weile, Unschlüssig, satt und durstig, weiter eile.

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