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1837

An meinen Vetter

Eduard Mörike

Lieber Vetter! Er ist eine Von den freundlichen Naturen, Die ich Sommerwesten nenne. Denn sie haben wirklich etwas

Sonniges in ihrem Wesen. Es sind weltliche Beamte, Rechnungsräte, Revisoren, Oder Kameralverwalter,

Auch wohl manchmal Herrn vom Handel, Aber meist vom ältern Schlage, Keinesweges Petitmaitres, Haben manchmal hübsche Bäuche,

Und ihr Vaterland ist Schwaben. Neulich auf der Reise traf ich Auch mit einer Sommerweste In der Post zu Besigheim

Eben zu Mittag zusammen. Und wir speisten eine Suppe, Darin rote Krebse schwammen, Rindfleisch mit französ'schem Senfe,

Dazu liebliche Radieschen, Dann Gemüse, und so weiter: Schwatzten von der neusten Zeitung, Und daß es an manchen Orten

Gestern stark gewittert habe. Drüber zieht der wackre Herr ein Silbern Büchslein aus der Tasche, Sich die Zähne auszustochern;

Endlich stopft er sich zum schwarzen Kaffee seine Meerschaumpfeife, Dampft und diskurriert und schaut in– mittelst einmal nach den Pferden.

Und ich sah ihm so von hinten Nach und dachte: Ach, daß diese Lieben, hellen Sommerwesten, Die bequemen, angenehmen,

Endlich doch auch sterben müssen!

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