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1804–1875

An Clara.

Eduard Mörike

Höre das lieblichste Wunder, das ich fürwahr nicht er- Auch erdichtet wär' es wohl schön, doch sah ich's mit Unter dem blühenden Apfelbaum saß ich auf dem be- Mäuerchen, still in Gedanken vertieft; es ruhte das neue

Testament mir halbgeöffnet zwischen den Fingern, Klein und zierlich gebunden: (es kam vom treuesten Ach, du ruhest nun auch, mir unvergessen, im Grabe!) Lange saß ich und blickte nicht auf; mit Einem so läßt sich

Mir ein Schmetterling nieder auf's Buch, er hebet und Dunkle Flügel mit schillerndem Blau, er dreht sich und Hin und her auf dem Rande. Was suchst du, reizender Lockte die blaue Decke dich an, der glänzende Goldschnitt?

Sahst du, getäuscht, im Büchlein die herrlichste Wunder- Oder zogen geheim dich himmlische Kräfte hernieder Des lebendigen Worts? Ich muß es glauben, denn Weilest du noch, wie gebannt und scheinst wie trunken,

Aber von nun an bist du auf alle Tage gesegnet! Unverletzlich dein Leib, dir altern nimmer die Schwingen! Und wohin du künftig die zarten Füße wirst setzen, Thauet Segen von dir. Jezt eile hinunter zum Garten,

Den das beste Mädchen besucht am frühesten Morgen, Eile zur Lilie du, gleich wird die Knospe sich öffnen Unter dir, dann küsse sie tief in den Busen: von Stund an Göttlich befruchtet, athmet sie Geist und himmlisches Leben.

Wenn die Gute nun kommt, vor den hohen Stengel ge- Steht sie befangen, entzückt von paradiesischer Nähe, Ahnungsvoll wie im Traum die holde Seele versunken.

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