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1892

[Ich will aus allem nehmen, was mich nährt]

Christian Morgenstern

„Ich will aus allem nehmen, was mich nährt, was übereinstimmt mit mir längst Vertrautem; so wird mir manches stille Glück gewährt. In Eurer Weisheit fand ich manch geheime

Bestätigung zu von mir selbst Geschautem und brachte sie zu meiner Art in Reime. Es gibt so vieles Schöne, Gute, Wahre; wie bin ich dankbar, daß ich Mensch sein darf

und immer Neues solcher Art erfahre!“ Erfahre denn noch dies dazu: entfernt bist du vom Ernst noch. Dein Gewissen warf dir noch nicht vor, daß Weisheit sich nur – lernt.

Mit solchem Blumenpflücken, Kränzchenwinden – was ist getan? sieh dir ins Angesicht und prüfe, ach, solch allzu lau Empfinden. Du fühlst der Weisheit Weg noch nicht als – Pflicht.

Und so: ob von Glühwürmchen oder Sternen dir Licht zufließt – dir ist's das gleiche Licht. Dir sind die echten Tiefen, wahren Fernen noch stumm; sie, deren Siegel einzig bricht:

ein tiefdemütig lebenlanges – Lernen.

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