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1892

Der alte Steinbruch

Christian Morgenstern

Tief im Walde, tief im Walde bildet, fern der Wege Reich, eines Bruchs verlaßne Halde einen kleinen, stillen Teich.

Moosbewachsne Blöcke ragen aus der seichten Regenflut, Falter und Libellen jagen über bunter Lurche Brut.

Aber wenn im Abendbrande hinterm Wald die Glut verraucht, stößt und rudert es vom Rande, kriecht und klettert, plumpst und taucht.

Und der Unken Urgroßahne – niemand weiß, wann Gott ihn schuf – ruft, daß er sein Weibchen mahne, seinen dunklen Werberuf.

Daß das Froschgeschlecht nicht sterbe, bleibt zuletzt nicht Einer still: Denn der Tümpel ist ein Erbe, das getreu gewahrt sein will.

Liebeskranke Grunzer fliehen der bewegten Weibchen Schlund; immer kühnre Harmonien füllen den dämmertrauten Grund.

Bis des Mondes Goldhorn endlich neuen Schimmers alles speist: Nun erwahrt sich unabwendlich trunkner Nächstenliebe Geist ...

Tief im Walde, tief im Walde schwärmt Froschbräutigam und Braut in versteckter Steinbruchhalde, bis der letzte Stern ergraut.

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