Sah ich dich nicht schon einmal, lichtloser Sinnierer? ... Sah ich dich nicht schon viel vielemal? ...
Wenn ich des Tages Straße hinabgegangen und im Dämmer, trauriger Träume schwer,
saß und hinaus sann in Blut und Schatten und in die brechenden Blicke erstarrenden Lebens ...
Lagst du da nicht am Wegrand, den Rücken am letzten Meilenstein,
schwer-lässig den Leib ellbogengestützt, aus überernsten, verschatteten Augen über des Irdischen Wandel
brütend? ... Warf ich mich da nicht vor dich hin und vergrub mich
in deine Augen und ward mit dir eins und brütete selber aus ihren Höhlen
hinaus in die Landschaft? ... Und dann sah ich noch einmal im Geist die langen Menschenzüge des Tags
des Weges wallen, wie sie dem Goldtor des Morgens fröhlich entsprangen, Blumen im Haar
und sorglosen Lachens voll; wie der und jener zu Staube dann glitt und immer mehr
sanken, stürzten – bis endlich der heiße Mittag müdrastender Völker schläfrige Lager fand.
Dann wieder Aufbruch, klingendes Spiel, neue Siege der Kraft, neue Opfer.
Wohin zogen sie aus, die Morgenscharen? Wo winkt ihr Ziel? Wohin leuchten
aufblitzende Sterne? Dort liegt es –: Ein dunkles Tor, drin alle verschwinden,
langsam, auf ewig. Laß mich! Aus deinen kalten,
unsterblichen Augen kann ich nicht länger schaun; denn unendliches Weinen drängt mir empor, –
und es sinken erbarmungsvoll Tränen der Schwermut wie Schleier zwischen den Sterblichen
und das Bild seines grausamen Schicksals.
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