Skip to content
1892

Abendliche Wolkenbildung

Christian Morgenstern

Oben stille, bleiche Lämmer, drunter sonngoldschwere Züge, trotz erhöhter Hellnis Lüge ohne Wehr dem nahen Dämmer.

Wer doch den trüben Wahn erfunden, daß keine Seele glücklich sei! Ich war's, ich bin's! in reichen Stunden von aller kleinen Trübsal frei.

Nicht wahrlich, da mit heisrem Atem die Menge mir den Weg verbellt, – doch nun Suleika sich und Hatem mit goldnen Liedern mir gesellt.

Nun da Natur mich treu umbreitet mit Tannen, hehr wie Hafis' Geist, und drüber mir die Blicke weitet, bis, wo der letzte Fels vereist.

Wie sollt ich da nicht Mensch sein mögen, ein weltverleumderischer Tropf! So gern sie auch herunter bögen den heitren, hochgemuten Kopf.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Abendliche Wolkenbildung · Christian Morgenstern · Poetry Cove