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1892

5

Christian Morgenstern

Düstere Wolke, die du, ein Riesenfalter, um der abendrotglühenden Berge starrende Tannen

wie um die Staubfäden blutiger Lilien schwebst: Dein Dunkel redet vom Leid der Welt.

Welchen Tales Tränen hast du gesogen? Wie viel angstvoller Seufzer heißen Hauch

trankst du in dich? Düstere Wolke, wohin schüttest die Zähren

du wieder aus? Schütte sie doch hinaus in die Ewigkeit! Denn wenn sie wieder

zur Erde fallen, zeugen sie neue aus ihrem Samen. Nie dann

bleiben der Sterblichen Augen trocken. Ach! da wirfst du sie schon in den Abgrund ...

Arme Erde, immer wieder aufs Neue getauft in den eigenen Tränen!

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