Skip to content
1892

4.

Christian Morgenstern

Und da ich nun so frei wie nur ein Mensch, von Schönheit übervoll und hell an Geist, so weiß ich nicht, was ich nicht zwingen sollte in meiner Kunst gefügig Alphabet.

Frei, frei! du schönstes Wort der neuen Welt, Paß aller Unersättlichen und Glück! Wer ermaß schon deinen Wert? Höher, heitrer wölbst du des Helden Stirn,

stolzer stößt ihm das Herz, wuchtiger wirken die Lungen ihm, und seine Schritte tragen geflügelt ihn über die Erde.

Keines Gottes rächender Blitz schreckt, wer selber von Flammen ein Schoß. Lächelnd löst er den Blitz

seiner Hand –: Mein ist er, war er von je! Ich gab ihn dir, ihm dich,

dich mir! ... Frei! ruf ich, frei! ... Und sieh, kein Echo wirft den Ruf zurück – ins Grenzenlose warf ich ihn.

Fliege, mein Adler, schieße, mein Stern! Und erst die Stunde, die mein Auge bricht, wird dich den Kopf zerschelln und enden sehn – am Echoschild des Tods.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
4. · Christian Morgenstern · Poetry Cove