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1810

Wein, der Lebensbalsam

Wilhelm Müller

An dem Strand des grünen Nils, In dem Reich des Krokodils, Ließen Männer einst und Weiber Salben ihre todten Leiber

Mit des Balsams edlem Duft Für die enge, finstre Gruft. Ach, was hilft es ihnen doch, Stehen ihre Leiber noch

Hart und steif in Felsenkammern? Muß uns nicht der Balsam jammern, Den man ohne Nutz und Noth Hat versalbet an dem Tod?

Ich hab' einen andern Sinn: Weil ich noch lebendig bin, Will ich meinem Leibe geben Balsam von der Frucht der Reben,

Der ihn auf der Oberwelt Frisch und stark und fest erhält. Schenket mir vom besten Wein In den größten Becher ein!

Balsam, wolle du bewahren Auch noch unter weißen Haaren Unsre Stirnen glatt und blank, Unsre Herzen froh und frank!

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