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1794–1827

Thränen und Rosen.

Wilhelm Müller

Wohl um die Abendstund' In einem Rosengarten, Da blühten Blümlein bunt. Er ging wohl auf und nieder

Vor eines Gärtners Haus, Da lag ein Mägdlein schöne Zum Fensterlein heraus. Ein Röslein thät' er brechen,

Warf's in das Fensterlein: Thust schlafen oder wachen, Herzallerliebste mein? “ich habe nicht geschlafen,

“ich habe nicht gewacht, “ich habe nur geträumet, “an dich hab' ich gedacht.„ Du hast ja auch geweinet,

Dein' Aeuglein sind so naß; Eine Thrän' fiel aus dem Fenster, Da wuchs eine Ros' im Gras. “und ist eine Ros' gewachsen,

“so wuchs sie nur für dich, “und wenn ich hab' geweinet, “so weint' ich nur um mich.„ Was zog er aus der Tasche?

Ein seidnes Tüchelein. Nimm hin, Herzallerliebste, Wisch' ab dein' Aeugelein! Und bin ich in der Fremde,

Weit, weit von deinem Haus, So weine deine Thränen Zum Fenster nicht hinaus. So weine sie bedächtig

All' in das Tuch hinein, Damit kein böser Bube Zertritt die Röselein.

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