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1810

Muscheln

Wilhelm Müller

Es braust das Meer, die Wogenhäupter schäumen, Die Brandung stürmt die Burg des Felsenstrandes, Und mit dem großen Orlogschiffe treiben Die Wind' und Fluthen ihre wilden Spiele,

Wie Kinder mit dem leichten Federballe. Sieh, meine Muse sitzt am Fischerherde Und läßt den grausen Sturm vorübertoben, Ein Pilgermädchen aus dem Mittellande,

Verschüchtert von den neuen Meereswundern. Die Fischerinnen lachen ihrer Sorgen Und flechten wohlgemuth an Weidenreusen, Mit Liedern sich der Arbeit Länge kürzend.

Es sinkt die Fluth und ebnet sich zum Spiegel, Die Winde segeln heim in ihre Klausen, Und auf dem weichen Bett des Dünensandes Verspülen sich die klaren blauen Wellen,

Wie müde Kämpfer, die nach Ruh verlangen. Dann schweift die Mus' umher am nassen Strande Und sammelt kleine Muscheln sich zu Kränzen. Um ihre Füße spielen Wassermücken,

Bis eine Woge, länger als die andern, Den ganzen Schwarm verschlingt und ihre Sohlen Mit einem leisen kühlen Kuß berühret.

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