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1810

Geselligkeit

Wilhelm Müller

Ich bin nicht gern allein Mit meinem Glase Wein. Mag allein der Geizhals fasten Neben dem gefüllten Kasten,

Mag der Dieb an dunkler Mauer Einsam schleichen auf der Lauer. Ich bin nicht gern allein Mit meinem Glase Wein.

Ich bin nicht gern allein Mit meinem Glase Wein. Mag allein der tiefe Weise Brüten, bis er wird zum Greise

So zu leben und zu lieben, Wie's die Schule vorgeschrieben. Ich bin nicht gern allein. Mit meinem Glase Wein.

Ich bin nicht gern allein Mit meinem Glase Wein. Mag der Mönch in seiner Zelle Einsam ringen mit der Hölle,

Die mit süßem Bratenrauche Nachstellt seinem feisten Bauche. Ich bin nicht gern allein Mit meinem Glase Wein.

Ich bin nicht gern allein Mit meinem Glase Wein. Knäblein, klag' im Mondenscheine Einsam dem verschwiegnen Haine,

Was die Holde, die dir's lehrte, Gern mit eignen Ohren hörte. Ich bin nicht gern allein Mit meinem Glase Wein.

Ich bin nicht gern allein Mit meinem Glase Wein. Wenn verdorben ist mein Magen, Will ich nach dem Tranke fragen,

Den man muß aus kleinen Flaschen Ganz allein mit Löffeln naschen. Ich bin nicht gern allein Mit meinem Glase Wein.

Ich bin nicht gern allein Mit meinem Glase Wein. Muß ich einst allein auch sterben, Lass' ich doch nicht viel zu erben,

Will mein Lebelang den Becher Schwingen in dem Kreis der Zecher. Ich bin nicht gern allein Mit meinem Glase Wein.

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