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1810

Doppeltes Vaterland

Wilhelm Müller

An der Elbe Strand Liegt mein Vaterland, Lieb's von ganzer Seele. Aber meine Kehle

Ist zu Haus am Rhein, Dürstet nur nach Wein. Wem es Freude schafft, Trinke Brüderschaft

Mit den kalten Fröschen! Meinen Durst zu löschen Hol' ich mir vom Rhein Lebenswarmen Wein.

Spricht ein kluger Mund Wein sei nicht gesund, Ei, so trink' er keinen! Doch mir will es scheinen:

Der den Geist erfreut, Thut dem Leib kein Leid. Mancher Medikus Trank sich aus dem Fluß

Flüsse in die Glieder. Wein und frohe Lieder! Heißt mein Rezipe Wider jedes Weh.

Und muß einst es sein, Sterb' ich doch an Wein Lieber als an Pillen. Vor dem letzten Willen

Leer' ich erst mein Faß Bis auf's letzte Glas.

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