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1810

Die Muscheln

Wilhelm Müller

Die letzten Meereswellen Verschäumen um den Strand, Und bunte Muscheln streuen Sie auf den bleichen Sand.

Ein kleines Fischermädchen, Zum Küssen groß genug, Kam flink daher gegangen, Ein Netz am Arm sie trug.

Und von den weißen Füßen Band ihre Sohlen sie, Und gürtete das Röckchen Sich auf bis an das Knie.

So fing sie an, zu waten Hinein in Schaum und Sand Und suchte bunte Muscheln Sich auf dem nassen Strand.

Sie warf sie in ihr Netzchen, Bis daß es überquoll, Dann nahm sie auf ihr Röckchen Und las den Schooß sich voll.

Gleich ward das Meer lebendig. Als hätt' es Fleisch und Blut: Je mehr sie hub das Röckchen, Je höher stieg die Fluth.

Da fing sie an zu schreien Und ließ die Zipfel los, Und alle Muscheln fielen Aus ihrem vollen Schooß.

Ich trug sie aus den Wellen Heraus in flinkem Lauf, Ich fischt' ihr aus dem Wasser Die Muscheln wieder auf;

Und wollte dann sie werfen In ihres Röckchens Schooß, Sie aber hielt das Netzchen Mir hin, und thät sich groß.

Was soll ich mit dem Netze? 'S geht keine mehr hinein. Ich bin ja keine Welle – Du sollst nicht wieder schrein.

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Die Muscheln · Wilhelm Müller · Poetry Cove