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1810

Die Bäume

Wilhelm Müller

Grüne Bäume, kühle Schatten, In den Wäldern, auf den Matten, Seid dem Wandrer immer hold! Wollt an seine Straß' euch stellen,

Flüsternd euch ihm zugesellen In des Mittags schwüler Gluth! Hat das Stadtthor mich empfangen, Such' ich wieder mit Verlangen

Nach dem ersten grünen Baum, Der mit seinen frischen Zweigen Mir den rechten Weg will zeigen Zu dem kühlen Labewein.

Euch begrüß' ich auch, ihr Linden, Mag euch gern auf Märkten finden, Dicht und kugelrund belaubt. In des Abends Feierstunde

Führt mich die gewohnte Runde Immer zu den Bäumen hin. Vöglein in den Wipfeln singen, Und die Funkenwürmchen schwingen

Ihre Lichter in dem Grün; Unten wollen sich ergehen, Die im Dunkel sich verstehen Besser als im Sonnenschein.

Heim in meines Mädchens Garten Grünen Bäume vieler Arten, Doch vor allem preis' ich dich, Baum, in dessen glatten Rinden

Unsre Namen sind zu finden Und ein flammend Herz darum. Haben oft dabei gesessen Und des Scheidens gar vergessen,

Meinend, daß wir wären eins, Wenn wir so in eins verschlungen, So von einem Brand durchdrungen Unsre beiden Namen sahn.

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