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1810

Der neue Demagoge

Wilhelm Müller

Euch, ihr edlen deutschen Reben, Sei mein Lied geweiht! Sing' ein Andrer von den Helden Dieser lieben Zeit.

Fehlen mir auf ihre Namen Reime zum Gedicht, Und zum Ungereimten brauchen Sie den Dichter nicht.

Hab' mich in dem Geist der Zeiten Auch einmal berauscht; Hab' den Rausch nun ausgeschlafen Und den Trank vertauscht.

Deutsch und frei und stark und lauter In dem deutschen Land Ist der Wein allein geblieben An des Rheines Strand.

Und er läßt die deutsche Tugend, Läßt den deutschen Muth Frank und frei im Glase sprudeln, Und man heißt es gut.

Und er zieht durch Deutschlands Gauen, Predigt deutschen Geist, Wenn durch froher Männer Runde Er im Becher kreist.

Landsmann! grüßt ihn mit Entzücken Jeder deutsche Mund, Und er hält in alter Treue Seinen deutschen Bund.

Frägt nicht nach der Herren Wechsel, Nach der Seelen Tausch, Kennt nur eine deutsche Erde, Einen deutschen Rausch.

Ist der nicht ein Demagoge, Wer soll einer sein? Mainz, du heil'ge Bundesfeste, Sperr' ihn nur nicht ein!

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