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1810

Das Mühlenleben

Wilhelm Müller

Seh' ich sie am Bache sitzen, Wenn sie Fliegennetze strickt, Oder Sonntags für die Fenster Frische Wiesenblumen pflückt;

Seh' ich sie zum Garten wandeln, Mit dem Körbchen in der Hand, Nach den ersten Beeren spähen An der grünen Dornenwand:

Dann wird's eng' in meiner Mühle, Alle Mauern ziehn sich ein, Und ich möchte flugs ein Fischer, Jäger oder Gärtner sein.

Und der Steine lustig Pfeifen, Und des Wasserrads Gebraus, Und der Werke emsig Klappern, 'S jagt mich fast zum Thor hinaus.

Aber wenn in guter Stunde Plaudernd sie zum Burschen tritt, Und als kluges Kind des Hauses Seitwärts nach dem Rechten sieht;

Und verständig lobt den Einen, Daß der Andre merken mag, Wie er's besser treiben solle, Geht er ihrem Danke nach –

Keiner fühlt sich recht getroffen, Und doch schießt sie nimmer fehl, Jeder muß von Schonung sagen, Und doch hat sie keinen Hehl.

Keiner wünscht, sie möchte gehen, Steht sie auch als Herrin da, Und fast wie das Auge Gottes Ist ihr Bild uns immer nah. –

Ei, da mag das Mühlenleben Wohl des Liedes würdig sein, Und die Räder, Stein' und Stampfen Stimmen als Begleitung ein.

Alles geht in schönem Tanze Auf und ab, und ein und aus: Gott gesegne mir das Handwerk Und des guten Meisters Haus!

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